Ein knappes Dutzend von mutigen Visionären, wagte es im Jahr 1946, also kurz nach Ende des 2. Weltkrieges, in Baden unter prekären finanziellen Verhältnissen eine Musikschule zu gründen. Anlass genug, um 80 Jahre später deren Arbeit zu würdigen.
Der Verein Musikschule Baden wurde am 27. September 1946 im Hotel Merkur als erste Musikschule des Kantons Aargau gegründet. 11 begeisterte Musikerinnen und Musiker, davon 8 diplomierte Musiklehrerinnen und –lehrer aus Baden, leisteten zur Vereinsgründung einen einmaligen Beitrag von je Fr. 100.-. Mit diesem Gründungskapital wurde in einer 3-Zimmerwohnung im damaligen Haus Zürcherstrasse 10a der Betrieb aufgenommen. Als Vereinszweck wurden in den Statuten die Eröffnung und der Betrieb einer Musikschule genannt, an der „nach neuzeitlichen Methoden ein sorgfältiger und rasch fördernder Unterricht (…) zu möglichst bescheidenen Preisen erteilt wird.“
Als erster Präsident der neu gegründeten Institution amtete Dr. med. Ernst Wülser, als ehrenamtlicher Rektor wurde Oswald Merkli bestimmt. Er sollte der Musikschule in den darauffolgenden 34 Jahren als Schulleiter erhalten bleiben und lenkte nach seinem Rücktritt noch bis zum Jahr 1987 die Geschicke der Musikschule als Vorstandsmitglied.

Als Schulgeld wurden bei wöchentlichem Unterricht für 40minütige Einzellektionen Fr. 45.- pro Quartal verrechnet. Daneben wurden auch noch Gruppenunterricht (2 Stunden wöchentlich) sowie Elementarmusiklehre angeboten. Der Betrieb der neuen Musikschule wurde mit 60 eingeschriebenen Schülerinnen und Schüler aus Baden und Umgebung aufgenommen.
Pionierjahre
Aufgrund des eklatanten Platzmangels wurde ein grosser Teil des Musikunterrichts in den Privatwohnungen der Lehrpersonen abgehalten. Auch der Umbau von ehemaligen Pferdestallungen im Parterre des Hauses Zürcherstrasse 10a in Unterrichtsboxen vermochte diesem Mangel nicht wirklich abzuhelfen, zumal die Schülerzahlen rasant anwuchsen. Bis zum Schuljahr 1951/52 wurden nahezu dreimal so viele Schüler unterrichtet, wie zur Zeit der Gründung. Dies veranlasste den Schulleiter im Herbst 1951 beim Stadtrat von Baden um eine jährliche Unterstützung von Fr. 6000.- nachzusuchen, um die „unbedingt nötigen baulichen Erweiterungen zu unterhalten.“ Der Stadtrat anerkannte zwar die „wertvolle kulturelle Aufgabe“, welche die Musikschule wahrnahm, bewilligte jedoch nur einen jährlichen Beitrag von Fr. 1500.-. Trotz der auch für damalige Verhältnisse recht bescheidenen Unterstützung bildete diese Zusage den Startschuss für die Subventionierung des Musikunterrichts in Baden durch die öffentliche Hand.
Umzug in die Villa Burghalde
Am 15. November 1960 übersiedelte die Musikschule an die Burghalde und durfte dort vorderhand den 2. Stock der Villa für ihre Unterrichtstätigkeit nutzen. Zu dieser Zeit unterrichtete man bereits 503 Schüler aus den Gemeinden Baden, Wettingen, Ennetbaden sowie aus anderen umliegenden Gemeinden. Das Haus Zürcherstrasse 10a wurde nach dem Auszug der Musikschule abgerissen.

Zum Zeitpunkt der Übersiedlung der Musikschule in die Villa Burghalde waren einige Zimmer noch als Wohnräume an eine Privatperson vermietet. Das Erdgeschoss wurde zudem von der Bezirksschule benutzt. Erst zum 25jährigen Jubiläum im Jahr 1971 konnten der Musikschule weitere Räumlichkeiten im 1. Stock der Villa zur Verfügung gestellt werden. Die Wohnräume wurden schliesslich 1982 geräumt und ebenfalls der Musikschule zur Nutzung übergeben.
Umbenennung zur „Musikschule der Region Baden“ (MSRB)
Nicht zuletzt bedingt durch die neuen, sehr attraktiven Unterrichtsräumlichkeiten erlebte die Musikschule in den Sechziger- und Siebzigerjahren einen weiteren Aufschwung. Zudem zeigten sich umliegende Gemeinden interessiert an ihrem Angebot. Im Schuljahr 1962/63 unterrichteten Lehrpersonen der Musikschule Baden bereits in Ennetbaden, Fislisbach, Neuenhof, Nussbaumen, Mellingen und Wettingen. Die Gemeinden stellten die für den Unterricht notwendigen Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung und entrichteten finanzielle Beiträge an den Betrieb. Am 31. Juli 1962 beschloss die Generalversammlung die Umbenennung des Vereins in „Musikschule der Region Baden.“ Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits 708 Schüler von 23 Lehrpersonen unterrichtet.
Das liebe Geld
Die wirtschaftliche Attraktivität des Musiklehrerberufs war damals mehr als bescheiden, ganz zu schweigen von der völlig fehlenden sozialen Absicherung. Der durchschnittliche Stundenlohn einer Musiklehrperson in den Gründerjahren betrug etwa Fr. 5.-. Unterrichtete eine Lehrperson ein Pensum von 30 Lektionen pro Woche, so konnte sie bei 40 Unterrichtswochen mit einem Jahressalär von ca. Fr. 6‘000.- rechnen. Ferien wurden nicht vergütet. Gingen die Schulgelder von den Eltern nicht rechtzeitig ein, so verzögerte sich auch die Lohnauszahlung an die Lehrpersonen. Kein Wunder also, dass sich der Schulleiter in diversen Jahresberichten beklagt, es sei ausserordentlich schwierig, adäquat ausgebildete Lehrpersonen für die stetig wachsende Musikschule zu finden. Offenbar wanderten viele von ihnen in grössere Zentren, wie Zürich, Schaffhausen oder Bülach ab, weil sie dort bessere Anstellungsbedingungen vorfanden.
Es darf daher als Meilenstein in der Musikschulgeschichte bezeichnet werden, als im Jahr 1962 aufgrund von aufgestockten Beiträgen der Mitgliedsgemeinden erstmals eine Krankenversicherung für die Lehrpersonen eingeführt werden konnte. Erst 13 Jahre später, also 1975, berichtet der Schulleiter von der Einführung einer Stiftung für die Altersfürsorge, also einer Art hauseigenen Pensionskasse.
Das Ende der Ära Oswald Merkli und die 1980er Jahre
Nach 34jähriger Tätigkeit als Rektor der Musikschule trat Oswald Merkli im August 1980 zurück. Er hinterliess seinem Nachfolger Hans Konrad Müller einen veritablen Grossbetrieb mit 2058 eingeschriebenen Schülerinnen und Schülern und 79 Lehrpersonen in 11 Mitgliedsgemeinden.
Im Jahr 1983 trat die Musikschule der Aargauischen Beamtenpensionskasse bei. Damit durften die die Musiklehrpersonen erstmals mit der Auszahlung einer Altersrente rechnen. Die bisherige Lösung hatte nur das Ansparen eines Alterskapitals beinhaltet.
Zum 40jährigen Bestandsjubiläum im Jahr 1986 zählte die Musikschule 2338 Schülerinnen und Schüler, die von 91 Lehrpersonen in 12 Mitgliedsgemeinden unterrichtet wurden. In den folgenden Jahren sahen sich Vorstand und Schulleitung vor allem gezwungen, aufgrund der inzwischen erlangten Grösse der Schule die Administration und Organisation zu professionalisieren.
Die 90er Jahre: Suche nach einem einheitlichen Gemeindevertrag
Im Sinne der erwähnten Professionalisierung, die mit der zunächst noch wachsenden Musikschule angestrebt wurde, standen die 90er Jahre im Zeichen von langwierigen Verhandlungen über einen einheitlichen Vertrag zwischen den Mitgliedsgemeinden und der Musikschule. Dieser sollte die die Kompetenz- und Aufgabenverteilung sowie zentrale organisatorische Abläufe regeln. Ebenso sollten die Anstellungsbedingungen der Lehrpersonen verbessert werden, deren Löhne immer noch deutlich unter denen der Primarlehrpersonen lagen.
Es sei hier dahingestellt, ob die Befürchtung von Kompetenzabtretungen an die zentrale Administration in Baden einige Gemeinden dazu gebracht hat, ihre Zusammenarbeit mit der MSRB zu überdenken. Sicherlich spielten auch finanzielle Abwägungen eine Rolle. Jedenfalls kam es gegen Ende der 90er Jahre zum Austritt mehrerer bisheriger Mitgliedsgemeinden, welche eigene Musikschulen gründeten oder sich mit benachbarten Orten zu kleineren Musikschulverbänden zusammenschlossen. Aufgrund dieser Austritte sanken die Schülerzahlen der MSRB auf ca. 1400.
Nach langwierigen und teils zähen Verhandlungen wurden im Jahr 2004 unter dem damaligen Präsidenten Viktor Egloff jene einheitlichen Verträge mit den Gemeinden abgeschlossen, die noch heute in Kraft sind. Alle Mitgliedsgemeinden subventionieren heute den Unterricht an der Musikschule für Schülerinnen und Schüler der Volksschule und stellen der Musikschule Räumlichkeiten sowie unbewegliche Instrumente zur Verfügung.
Im Jahr 2023 schlossen sich die Gemeinden Turgi und Untersiggenthal neu der MSRB an, die ehemalige Musikschule Untersiggenthal – Turgi (MUT) wurde aufgelöst.
Im laufenden Schuljahr 2025/26 sind an der MSRB 1230 Schülerinnen und Schüler eingeschrieben. Sie werden von 62 Lehrpersonen auf 28 verschiedenen Instrumenten, in Gesang sowie in Theater und Rhythmik unterrichtet.