Für den überwiegenden Teil unserer Schülerinnen und Schüler ist das Musizieren ein Ausgleich, ein Hobby neben einem anspruchsvollen Schulalltag, das einen auf andere Gedanken bringt. Für einige unserer Schüler/innen ist es aber mehr als das. Sie haben sich dazu entschlossen, Musik zu studieren und die Musik zu ihrem Beruf zu machen. Sandro Erni ist einer von ihnen. Er gibt uns Einblick in seinen Werdegang.

Lieber Sandro, du studierst Trompete an der ZHdK. War es schon immer dein Wunsch, Berufsmusiker zu werden? Gab es ein Schlüsselerlebnis, das dich dazu bewogen hat?
Sandro Erni: Es gibt kein Schlüsselerlebnis, welches mich dazu bewegt hat, Musik zu studieren. Ich bin viel mehr etwas hineingerutscht. Da ich das Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl in Zürich besuchte und zeitgleich bereits im Vorstudiums-programm der ZHdK eingeschrieben war, kam ich schon früh in Kontakt mit Musikstudierenden und dann war eigentlich klar, dass ich das auch machen möchte.
In welchem Alter hast du mit dem Trompetenunterricht begonnen? Weisst du noch, warum du dich damals ausgerechnet für dieses Instrument entschieden hast?
SE: Ich durfte mit dem Eintritt in die erste Klasse der Primarschule ein Instrument aussuchen, welches ich lernen möchte. Wenn ich mich recht entsinne, wollte ich eigentlich Posaune lernen, nachdem ich an einem Apéro ein Blechbläserensemble gesehen und gehört hatte. Ich habe die Instrumente dann irgendwie verwechselt. Auf jeden Fall bin ich dann bei der Trompete gelandet.
Du hattest an der Musikschule Unterricht bei Matthias Merki. Wie hast du den Unterricht an der Musikschule erlebt? Inwiefern hat dein Lehrer den Grundstein gelegt für deinen späteren Werdegang? Hat er dich ermuntert, Musik zu studieren?
SE: Der Unterricht bei Matthias Merki war durchwegs darauf aufgebaut, dass Trompetespielen Spass machen soll. Matthias Merki ist selber voller Begeisterung für unser Instrument, und dies übertrug sich auf mich als Schüler. Das ist das Wichtigste, wenn man Musik respektive ein Instrument studieren möchte: Man muss daran Spass haben.
Kannst du uns den Alltag eines Musikstudenten beschreiben? Wie lange und wie häufig übst du? Wie laufen Prüfungen an der Hochschule ab? Welche anderen Fächer hast du noch, ausser dem Unterricht am Instrument? Hast du auch Auftritte mit anderen Studierenden?
SE: Grundsätzlich gilt: Üben muss man nur, was man noch nicht kann. Der Übeaufwand ist daher sehr davon abhängig, was und wie viel (Neues) gerade ansteht. Ich bin der Überzeugung, dass viele Leute auch im Studium viel zu viel üben, da sie nicht wissen, wie man effizient übt. Im Rahmen meines Studiums besuche ich den „Minor Musikphysiologie“. Das Wissen aus den Kursen in diesem Kontext hat mir geholfen, effizient zu üben und zu lernen, dass mehr nicht immer mehr ist.
Prüfungen gibt es im Musikstudium vergleichsweise wenige. Eine Vielzahl davon sind Vorspiele. Diese sind eine Mischung aus Konzert und mCheckprüfung. Idealerweise fühlen sie sich aber an wie ein Konzert 😉
Die Musiktheorie und Musikgeschichte wurden im Bachelor in eigenen Kursen gelernt und geprüft. In meinem Masterstudiengang „Instrumentalpädagogik“ hatten wir ausserdem noch diverse Fächer wie Allgemeine Psychologie, Grundfragen der Instrumentalpädagogik, Unterricht zur Gestaltung von Gruppenunterricht uvm.
Ausserdem kann man sich im Rahmen von sogenannten Minors noch in diversen Themen weiterbilden. Ich habe mich da für „Historische Aufführungspraxis“ und „Musikphysiologie“ entschieden.
Es ist eine Anforderung im Studium, dass man auch regelmässig mit anderen zusammen musiziert. Respektive ist das auch das Ziel des Musizierens: Allein spielen macht nur wenig Spass, verglichen mit einem Ensemble oder Orchester.
Wenn man in ein grosses klassisches Berufsorchester einsteigen will, muss man ein sogenanntes Probespiel gewinnen. Hast du auch schon daran teilgenommen? Kannst du uns schildern, wie so etwas abläuft?
SE: Ja, da habe ich auch schon daran teilgenommen. Dazu bekommt man einige Wochen vor dem Probespieltermin Ausschnitte aus den Trompetenstimmen von Orchesterwerken zugesandt. Diese muss man bestmöglich vorbereiten. Am Probespiel gibt es dann mehrere Runden, wo man einzelne dieser sogenannten Orchesterstellen allein einer Jury vortragen muss. Wenn man diese zur Zufriedenheit der Jury (bestehend aus Musiker:innen des Orchesters) vorgetragen hat, darf man in der nächsten Runde erneut vorspielen. Dies läuft so lange, bis nur noch eine Person übrig ist, welche dann meistens die Arbeitsstelle angeboten bekommt.
Hast du so etwas wie ein Idol oder ein Vorbild, dem du nacheiferst?
SE: Es gibt sehr viele tolle Musiker:innen, welche mich in unterschiedlichen Bereichen der Musik inspirieren. Ein allumfassendes Idol oder Vorbild habe ich momentan aber nicht. Ich suche vielmehr gerade meinen eigenen Weg in der Musik.
Wo siehst du dich selbst in 10 Jahren? Möchtest du im Orchester eines Opernhauses spielen? Oder lieber Teil einer professionellen Big Band werden? Oder als Solist die Konzertsäle erobern? Oder kannst du dir vorstellen, selbst Musiklehrer zu werden und Anfängern dein Instrument beizubringen? Was sind deine Ziele als Berufsmusiker?
SE: Ich bin am Ende meines Musikstudiums angekommen, doch diese Frage kann ich momentan weniger konkret beantworten als vor dem Musikstudium. Ich weiss es schlichtweg nicht.
Musik studiert habe ich, weil es mir unglaublich Spass macht, allein und mit anderen zusammen zu musizieren. Mein Ziel als Berufsmusiker ist es, diese Freude zu behalten und mit anderen zu teilen. In welchem Rahmen das geschehen wird, werden die nächsten Jahre zeigen.
Was würdest du Schülerinnen und Schülern mitgeben, die sich überlegen, ebenfalls ein Instrument zu erlernen?
SE: Es ist nie zu früh oder zu spät, ein Instrument zu lernen. Wenn ihr es wollt – macht es unbedingt! Zu Beginn braucht es jedoch etwas Zeit, bis man in der Lage ist, sich mit dem Instrument wie gewünscht auszudrücken. Darum seid geduldig! Es lohnt sich.