Multitasking

Viele, um nicht zu sagen die meisten Musiklehrpersonen unterrichten nicht nur in der Musikschule, sondern verrichten daneben auch noch andere Tätigkeiten. Dies mitunter nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen und weil das Unterrichtspensum zu klein wäre, sondern weil sie es begrüssen, mehrere Standbeine zu haben, sich mit verschiedenen Rollen zu identifizieren und auch andere Interessen zu pflegen. Ein paar von ihnen sollen hier kurz vorgestellt werden.

Barbara Dehm

Musikschule Region Baden | Blog

Liebe Barbara, du unterrichtest in diversen Schulen Oboe, auch an der MSRB. Gleichzeitig bist du als Yogalehrerin sehr aktiv. Wie ist es gekommen, dass du in zwei so unterschiedlichen Bereichen tätig bist? Hast du das bewusst gesucht, oder hat es sich zufällig ergeben?
Nach den ersten Jahren im Berufsleben wurde mir bald klar, dass ich als Oboenlehrerin und freischaffende Musikerin nie ein volles Pensum haben würde, mit dem ich meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte. Deshalb schaute ich mich nach einer weiteren Ausbildung um. Da Yoga mich schon länger begleitete und interessierte, entschied ich mich für diese Ausbildung.

Kannst du uns die Tätigkeit als Yogalehrerin kurz beschreiben? Worum geht’s bei Yoga? Wem kann Yoga helfen? Wobei?
Im Yoga geht es um einen bewussten Umgang mit Atem, Bewegung und Körper. Es geht darum, mich selber, meinen Körper und meine Bewegungs- und Verhaltensmuster besser kennenzulernen und die Freiheit zu gewinnen, mich z.B. von Mustern zu lösen, die mir nicht gut tun. Gleichzeitig tue ich mir mit Yoga viel Gutes, ich erhalte meine Beweglichkeit und Gesundheit.

Deine Webseite heisst «Musik und Yoga.» Wie bringst du in deiner Tätigkeit diese beiden Bereiche miteinander in Verbindung?
Musik zu machen, speziell Oboe zu spielen, ist ein hoch komplexer und anspruchsvoller Prozess, bei dem Atem, Körper und Geist perfekt zusammen arbeiten müssen. Genau dieses Zusammenspiel übe ich auch im Yoga. Ein besseres Köperbewusstsein ist fürs Musizieren sehr hilfreich und kann mich auch vor Abnutzungserscheinungen bewahren. So denke ich, dass vieles, das ich im Yoga gelernt habe, ganz automatisch auch in meinen Oboenunterricht einfliesst.

Was sind die Vor- und Nachteile, wenn du in verschiedenen Berufsfeldern arbeitest? Empfindest du es als anstrengend oder im Gegenteil als willkommene Abwechslung?
Es ist beides: eine sehr willkommene Abwechslung und gegenseitige Ergänzung und Befruchtung und gleichzeitig auch anstrengend: neben drei bis vier verschiedenen Schulen habe ich auch noch zwei Arbeitsplätze, wo ich Yoga unterrichte. Ich muss für beide Berufe Administratives erledigen, planen, vorbereiten und mich weiterbilden.
Und trotzdem möchte ich diese Kombination nicht missen!!

Clara Zschocke

Musikschule Region Baden | Blog

Liebe Clara, neben deiner Tätigkeit als Geigenlehrerin an unserer Musikschule spielst du auch noch regelmässig im Orchester des Opernhauses Zürich und bist ausserdem kürzlich Mami geworden. Auch dein Tag hat nur 24 Stunden! Wie schaffst du es, dich zeitlich zu organisieren?

Manchmal ist das gar nicht so leicht. Abgesehen vom fixen Stundenplan für den Unterricht sieht jeder Tag anders aus. Auch bei meinem Mann, der vollzeit am Opernhaus spielt, ist der Dienstplan immer anders. Das Wichtigste ist dann, sich früh genug abzusprechen, wann ein Babysitter gebraucht wird. Der Shared Calendar hilft da sehr! Und wir haben wahnsinnig nette Freundinnen und Freunde, die auch mal einspringen, wenn doch mal Betreuung fehlt. Das Üben darf natürlich auch nicht zu kurz kommen, da gehts dann manchmal nach dem Stimmungsbarometer vom Baby. Gute Laune = gutes Üben 🙂 Wir schaffen uns jetzt aber auch eine Übekabine an, da stört man nachts nicht die Nachbarn!

Im Opernhaus zu spielen ist für viele klassische Musiker*innen sicher ein Traum! Kannst du uns diese Tätigkeit kurz beschreiben? Wie muss man sich den Alltag einer Orchestermusikerin vorstellen? Wie viel erlebst du von einer Opernaufführung, wenn du selbst im Orchestergraben sitzt?

Das ist schon eine sehr spannende und abwechslungsreiche Arbeit. In Zürich spielen sie immer mehrere Produktionen auf einmal, das heisst man spielt teilweise ganz unterschiedliche Sachen in einer Woche. Das muss natürlich alles geprobt werden. Proben finden vormittags und abends statt, die Vorstellungen natürlich vor allem abends. Nachmittags ist oft “frei”, wobei die meisten hier üben, unterrichten oder sich anderen spannenden Projekten widmen.
Wie viel man von der Bühne mitbekommt, kommt darauf an, wo man gerade im Graben sitzt. Die Bratschen sitzen doch auch manchmal mal am Rand, wenn man dann zwischendurch ein paar Takte Pause hat, kann man schon mal was mitbekommen, aber auch nicht wirklich viel 😉

Du hast dich ganz bewusst dafür entschieden, neben deiner Tätigkeit im Orchester auch noch unterrichten zu wollen. Was hat dich dazu bewogen? Lassen sich die beiden Tätigkeiten gut miteinander verbinden?

Genau, das war damals in Innsbruck, als ich dort im Orchester der Landestheaters tätig war. Während des Studiums und in der Zeit danach war ich sehr darauf fokussiert, Probespiele zu machen und in Orchestern zu arbeiten. Ich habe aber schon immer sehr gern mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, und als sich die Gelegenheit ergab, ein kleines Pensum an einer Musikschule in Innsbruck zu übernehmen, habe ich mich natürlich gefreut. Als wir dann beschlossen in die Schweiz zu kommen, gab ich mir einen Ruck und machte einen weiteren Master in Instrumentalpädagogik, um mehr in diese Richtung arbeiten zu können. Es ist mir eine grosse Freude, sowohl zu unterrichten als auch regelmässig im Opernhaus und anderen Orchestern zu spielen. Für mich passen diese Tätigkeiten wunderbar zusammen. Durch beide lerne ich vieles, was mir dann in der jeweils anderen hilft und Inspiration gibt.

Markus Roth 

Musikschule Region Baden | Blog

Foto von Tom Baumann

Lieber Markus, du unterrichtest nicht nur bei uns E-Gitarre, sondern leitest daneben auch eine andere Musikschule und arbeitest als Webdesigner und Bandmusiker. Habe ich etwas vergessen?

Tatsächlich ja (lacht). An der Primarschule, wo ich neben der MSRB unterrichte, bin ich auch noch Co-Musikschulleiter – die Leitung machen wir dort zu zweit. Dann bin ich dort für den IT-Support verantwortlich und betreue unsere Schulsoftware PUPIL, also ich zeige dem Kollegium, wie das Tool läuft, und helfe, wenn irgendwo etwas klemmt. Ach ja, und als Musiker stehe ich nicht nur auf der Bühne – ich komponiere auch eigene Sachen, ein paar davon sind auf Spotify. Und quasi als Ausgleich zu der ganzen Vielfalt bin ich noch mit einem kleinen Pensum als Reiki Therapeut unterwegs. Aber jetzt müsste die Liste komplett sein.

Viele Musiklehrpersonen unterrichten nicht nur, sondern führen daneben auch noch andere Tätigkeiten aus. Hast du das bewusst gesucht? Wenn ja, warum? Oder hat es sich einfach ergeben?

Ein bisschen von beidem, ehrlich gesagt. Das meiste hat sich über die Jahre einfach so ergeben. Ich habe mich immer für Technik interessiert, irgendwann war ich halt der IT-Support. Und aus der Freude am Gestalten wurde meine Webdesign-Agentur «cloud7 WebDesign» – die läuft jetzt seit über 20 Jahren nebenbei. Bewusst entschieden habe ich mich eigentlich nur dafür, das alles beizubehalten. Nur einer einzigen Aufgabe nachzugehen, das könnte ich nicht. Ich liebe es, verschiedene Projekte zu verfolgen und brauche die Herausforderung. Und es ergeben sich natürlich auch Synergien: Was ich im Webdesign im Umgang mit meinen Kunden über Kommunikation lerne, brauche ich auch im Unterricht oder im IT-Support und der Musikschulleitung. Und umgekehrt.

Empfindest du es als stressig, neben dem Unterricht auch noch anderen Tätigkeiten nachzugehen, oder ist eher das Gegenteil der Fall: Ausgleich, Abwechslung, Ergänzung?

Nein, klar das Gegenteil – die Abwechslung gibt mir Energie. Was hilft: Mein Tag hat einen ziemlich festen Ablauf. Ich stehe früh auf, trainiere als Erstes und arbeite am Morgen ein bis zwei Stunden an der Agentur, oder übe auf dem Instrument. Im Anschluss geht’s an die Schule – am Vormittag IT, am Nachmittag Gitarrenunterricht und am Abend dann oft noch Proben. So kommt sich nichts in die Quere. Stressig wird’s höchstens, wenn mehrere Gigs und Projekte aufs Mal kommen. Aber genau dieser Wechsel zwischen Bildschirm, Schulzimmer und Bühne macht, dass sich nichts davon je nach Routine anfühlt.