In fremde Rollen schlüpfen, spontan auf Inputs von aussen reagieren, improvisieren, verschiedene Stimmungen zum Ausdruck bringen – all das geht nicht nur mit einem Musikinstrument, sondern natürlich auch im Schauspiel. Auch damit kann man an der Musikschule erste Erfahrungen sammeln.
Katrin Janser ist eine erfahrene Theaterpädagogin und bietet das Fach Theaterimprovisation und Rhythmik seit vielen Jahren an. Hier beschreibt sie kurz ihr Fach und worum es dabei geht.
Interview mit Katrin Janser, Kursleiterin Theaterimprovisation und Rhythmik

Liebe Käthi, sicher können sich einige unserer Leserinnen und Leser unter dem Titel deines Kurses nicht sehr viel vorstellen. Kannst du uns kurz schildern, was man in deinem Kurs macht und was man dort lernt?
Katrin Janser: In diesem Kurs entdecken die Kinder spielerisch die vielfältigen Möglichkeiten des Theaters. Im freien Rollenspiel lassen sie ihrer Fantasie freien Lauf, schlüpfen in unterschiedliche Rollen und entwickeln eigene Geschichten. Mit abwechslungsreichen Übungen schärfen sie ihre Sinne und ihre Wahrnehmung und lernen, Körper und Stimme bewusst einzusetzen, um Gefühle auszudrücken. Wir lernen unsere eigenen Instrumente (Körper, Stimme usw.) bewusst einzusetzen.
Rhythmus, Bewegung und Klang fördern das Körpergefühl, die Konzentration und das gemeinsame Zusammenspiel. Dabei werden Kreativität, soziale Kompetenzen und gegenseitiges Vertrauen gestärkt.
Im Mittelpunkt stehen die Freude am Spiel sowie die Entwicklung von Selbstvertrauen, Sicherheit und Präsenz – Fähigkeiten, die die Kinder auch im Alltag begleiten und stärken.
Was unterscheidet Theaterimprovisation vom normalen Theaterspielen?
KJ: Anders als beim klassischen Theaterspielen gibt es in der Theaterimprovisation keine vorgegebenen Texte oder festgelegten Rollen. Die Kinder entwickeln ihre eigenen Geschichten und Figuren, lassen ihrer Fantasie freien Lauf und lernen, spontan aufeinander einzugehen. Dabei stehen nicht das Ergebnis oder eine Aufführung im Mittelpunkt, sondern die Freude am gemeinsamen Spiel, das kreative Ausprobieren und die persönliche Entwicklung. Sobald die Kinder eine Idee entwickelt haben, welche ihnen gefällt, festigen wir diese und daraus entsteht dann ein Theaterstück.
Worauf bezieht sich der Begriff «Rhythmik» in der Bezeichnung deines Kurses?
KJ: Der Begriff «Rhythmik» bezieht sich auf das Zusammenspiel von Bewegung, Rhythmus, Musik und Körperwahrnehmung. Durch spielerische Übungen mit Tempo, Klang, Bewegung und Pausen entdecken die Kinder ihren eigenen Körper als Ausdrucksmittel. Sie entwickeln ein Gefühl für Rhythmus, stärken ihre Konzentration und lernen, sich aufeinander abzustimmen. Gleichzeitig entwickeln sie ein Gespür für Timing, Dynamik und gemeinsame Impulse – wichtige Grundlagen für ein lebendiges und kreatives Theaterspiel. Rhythmik verbindet die eigene Ausdrucksfähigkeit mit dem gemeinsamen Erleben.
Kannst du uns kurz schildern, wie du selbst zum Theaterspielen gekommen bist?
KJ: Ich stamme aus der Theaterfamilie Janser und stand bereits mit drei Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Mit elf Jahren hatte ich sogar schon mein erstes Auslandgastspiel. Das Theater wurde mir also gewissermassen in die Wiege gelegt, denn mein Vater arbeitete am Schauspielhaus Zürich und meine Mutter gründete das Kinder- und Jugendtheater Turgi. Als kleines Kind durfte ich sehr oft mit meinem Vater zur Arbeit, da es noch nicht so viele Krippen oder Tagesstrukturen gab. Es war von klein auf Teil meines Familienlebens und nicht einfach ein Hobby, das ich irgendwann entdeckt habe. Später habe ich diesen Weg weitergeführt und mich besonders dem Schauspiel sowie dem Kinder- und Jugendtheater, der Improvisation und der Theaterpädagogik gewidmet.

Du bist ausgebildete Theaterpädagogin. Wie wird man das? Gibt es spezielle Studiengänge dafür?
KJ: In der Schweiz gibt es verschiedene Möglichkeiten, Theaterpädagogik zu studieren oder sich in diesem Bereich weiterzubilden. Das Angebot reicht von Hochschulstudiengängen über berufsbegleitende Weiterbildungen bis hin zu praxisorientierten Lehrgängen.
An der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) kann ein dreijähriges Bachelorstudium absolviert werden. Darüber hinaus bieten verschiedene Pädagogische Hochschulen (PH) Weiterbildungen an, beispielsweise in Form eines Certificate of Advanced Studies (CAS). Diese ermöglichen es, bestehende Kenntnisse und praktische Erfahrungen in der Theaterpädagogik gezielt zu vertiefen und weiterzuentwickeln.
Du bist neben der Musikschule auch noch in einigen anderen Theaterprojekten engagiert. Magst du uns kurz darüber berichten?
KJ: Sehr gerne. Seit dem Jahr 2000 bin ich im Leitungsteam des Kinder- und Jugendtheaters Turgi tätig. Daneben leite ich die Improvisationstheatergruppe «Die Impro-Leck-TuEllen», die regelmässig im WERKK in Baden auftritt.
An den Schulen in Baden unterrichte ich das Freifach Theater auf der Sekundarstufe und leite das Theateratelier auf der Primarstufe. Darüber hinaus realisiere ich eigene Theaterproduktionen und führe Regie in der freien Theaterszene.
Neben meiner praktischen Theaterarbeit engagiere ich mich in verschiedenen nationalen und internationalen Theaterorganisationen. Ich bin Vorstandsmitglied des Zentralverbands Schweizer Volkstheater (ZSV), der vom Bundesamt für Kultur (BAK) unterstützt wird, sowie des europäischen Jugendtheaternetzwerks EDERED (unter der Schirmherrschaft des Europarats in Strassburg) und des Europäischen Theaterhauses Lingen (Deutschland).
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der Aus- und Weiterbildung. Für die «Young Acting Academy» bilde ich angehende Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen aus und unterrichte einzelne Module an verschiedenen Universitäten. Ausserdem leite ich regelmässig Workshops im In- und Ausland, unter anderem im Rahmen von Schulprojektwochen, Weiterbildungen für Lehrpersonen, Firmenevents und Workshops für Theatergruppen.
Ergänzend bin ich als Moderatorin tätig und habe eine separate Ausbildung zur Sprecherin absolviert.
Vielen Dank!