Kein anderes Instrument wird an der Musikschule häufiger gewählt als das Klavier. Dabei ist es gross und nicht ganz billig in der Anschaffung. Warum entscheiden sich trotzdem so viele Schüler:innen für dieses Instrument?
Auch das Akkordeon zählt zur Familie der Tasteninstrumente und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Fragen wir nach, warum das so ist!
Lehrpersonen
Klavier: Blandine Abgottspon, Anne Baumann-Druey, Thomas Baumgartner, René Brandenburg, Karin Erni Dittli, Ursula Hofmann, Joris Jeandupeux, Beatrice Kaiser, Andrea Krzemnicki, Flurin Rüedlinger, Susanne Puchegger, Lysiane Salzmann, Charlotte Stettler-Buschor, Irena Zeitz.
Akkordeon: Rade Mijatovic
Karin Erni Dittli (Foto) unterrichtet Klavier in Baden

Das Klavier ist an der Musikschule das mit Abstand am häufigsten gewählte Instrument. Was sind deiner Meinung nach die Gründe dafür, dass sich so viele Schüler/innen für das Klavier entscheiden, wenn sie neu mit einem Instrument beginnen?
Karin Erni: Das Klavier kommt sowohl in der Klassischen Musik wie auch im Rock/Pop und im Jazz vor. Viele moderne Songs haben das Klavier als wichtiges Bandinstrument. Man hört also überall Musik mit Klavier. Zudem gibt es in vielen Familien ein Klavier als Familienerbstück, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Wo liegen die Schwierigkeiten oder Herausforderungen beim Klavierspielen im Vergleich zu anderen Instrumenten? Was ist andererseits am Klavier einfacher als zum Beispiel auf der Geige?
KE: Eine Schwierigkeit ist sicher das Spielen von zwei unabhängigen Stimmen in beiden Händen. Rechts erklingt eine Melodie, links die Begleitung. Mit zunehmendem Können am Instrument wird es noch komplexer. Auch gibt es Pedale, die mit den Füssen bedient werden – eine rechte Herausforderung für die Unabhängigkeit von Händen und Füssen. Am Klavier kann man mehrere Töne gleichzeitig spielen – so viele wie man Finger hat, oder sogar noch mehr. Die Noten gleichzeitig lesen und in eine Bewegung umsetzen ist ein rechtes Kunststück…
Sind Klaviere nicht unheimlich teuer? Mit welchen Anschaffungs- oder Mietkosten muss man rechnen?
KE: Zu Beginn des Instrumentalunterrichts ist es sinnvoll, ein Instrument zu mieten. Schon ab 50 Franken pro Monat kann ein gutes Anfängerklavier gemietet werden. Ein neues akustisches Klavier ist ab 5000 Franken erhältlich. Mit etwas Glück kann man ein Occasionsinstrument zu einem deutlich günstigeren Preis erwerben.
Ab welchem Alter ist es sinnvoll, mit dem Klavierunterricht zu beginnen?
KE: Es ist schwierig, eine allgemein gültige Antwort zu geben. Wichtig ist, dass das Kind bereit ist und Klavier spielen lernen möchte. Jedes Kind ist anders. Im Zweifelsfall ist es empfehlenswert, eine Schnupperlektion zu buchen.
Wir können es uns nicht leisten, ein Klavier anzuschaffen. Kann man nicht auch auf einem Keyboard oder einem E-Piano Klavierspielen lernen? Die Tasten sind doch genau gleich angeordnet.
KE: Auf einem E-Piano kann man Klavier spielen lernen. Ich beobachte aber, dass Kinder und Jugendliche, die zu Hause auf einem E-Piano üben, in der Stunde auf dem akustischen Instrument oft weniger gut spielen als zu Hause und dann frustriert sind. Der Anschlag ist oft recht verschieden. Auch bei einem E-Piano sollte man deshalb nicht einfach ein billiges Instrument aussuchen. Ich persönlich liebe den Klang des akustischen Klaviers – er ist lebendig und vielfarbig. Auch Laien hören einen grossen Unterschied, wenn beide Instrumente nebeneinander ausprobiert werden können. Deshalb empfehle ich die Anschaffung eines akustischen Klaviers. Selbstverständlich ist mir aber bewusst, dass es gute Gründe für ein E-Piano gibt. Am besten lässt man sich vor dem Kauf oder vor der Miete eines Instrumentes von einer Klavierlehrperson beraten. Auf einem Keyboard kann man nicht Klavier spielen lernen. Aber es gibt die Möglichkeit, Keyboardunterricht zu belegen.
Stimmen von Schüler/innen
Warum hast du dich ausgerechnet für das Klavier entschieden?
- Das Klavier hat so viele Töne. Jeder Ton ist einzigartig und anders. Das fasziniert mich.
- Das Klavier klingt schön. Mein Onkel hat schon Klavier gespielt und war mir ein Vorbild.
- Ich fand das Klavier schon im Kindergarten cool.
- Das Klavier ist von meinen Grosseltern zu mir gekommen. Auch meine Mutter hat Klavier gespielt.
- Ich habe bei der Instrumentenvorstellung verschiedene Instrumente ausprobiert und habe mich dann für das Klavier entschieden.
- Der Klang ist mega schön. Es sieht schön aus, wenn ich die Finger von jemandem beim Spielen beobachte.
- Mein Cousin spielt sehr gut Klavier. Deshalb möchte ich auch Klavier spielen lernen. Ich kann ihm damit ein Geschenk machen.
- Mir gefällt es, die Tasten zu drücken. Und das Klavier klingt schön.
Ist es nicht sehr schwer, mit beiden Händen etwas anderes zu spielen und dann auch noch die Füsse einzusetzen?
- Doch, aber wenn ich die Hände einzeln gut spielen kann, dann ist es auch zusammen nicht mehr so schwierig. Zuerst muss man aber jeden Ton wissen.
- Zuerst muss man es sich einfach machen (z.B. ohne Pedal). Mit der Zeit wird es automatisch.
- Ich habe mich daran gewöhnt, jetzt ist es nicht mehr schwierig.
- Das Pedal dazunehmen ist einfach, die Hände zusammenspielen finde ich schwieriger.
Klaviernoten sehen auf den ersten Blick sehr kompliziert aus. Man muss mehrere Noten auf einmal lesen. Wie hast du das gelernt?
- Durch die Flöte habe ich Notenlesen gelernt. Deshalb war es auf dem Klavier einfach, weil der Violinschlüssel schon bekannt war. Bassschlüssel lernen war einfach.
- Mit Notenkarten.
- Der F- und G-Schlüssel helfen.
- Vereinfachen macht es einfacher.
- Ich lerne zuerst nur einzelne Töne.
- Ich habe es mit meiner Klavierlehrerin gelernt. Aber eigentlich ist es für mich einfacher, durch Vor- und Nachspielen ein Stück einzuüben als ab Noten.
Wie übst du auf dem Klavier, wenn du so viele Dinge gleichzeitig tun musst?
- Ich übe zuerst die Hände einzeln.
- Ich übe Abschnitte, nicht das ganze Stück aufs Mal.
- Ich übe zuerst die Hand, die schwieriger ist. Wenn die Hände einzeln gut gehen, dann setze ich rechts und links zusammen.
- Ich klatsche zuerst den Rhythmus und klopfe mit dem Fuss mit, dann lese ich die Noten. Nachher spiele ich die Hände einzeln. Erst wenn das gut geht, setze ich die Hände zusammen. Langsam spielen hilft auch.
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Rade Mijatovic (Foto) unterrichtet Akkordeon in Baden, Ennetbaden, Obersiggenthal, Turgi und Untersiggenthal.

Wozu braucht es so unendlich viele Knöpfe auf diesem Instrument? Ist tatsächlich jeder Knopf ein anderer Ton?
Rade Mijatovic: Das Akkordeon hat sehr viele Knöpfe, weil es einen grossen Tonumfang abdecken muss. Jeder Knopf ist einem Ton zugeordnet, sodass sowohl tiefe als auch hohe Töne gespielt werden können. Einige Töne sind mehrfach vorhanden, jedoch in unterschiedlichen Lagen. Das erleichtert flüssiges Spiel, schnelle Passagen und Akkorde. Zusätzlich gibt es Register (Klangfarben), die den Klang variieren und den Tonumfang noch erweitern – dann ist der Tonumfang fast so gross wie beim Klavier.
Die Knöpfe auf der linken Seite sieht man ja gar nicht. Wie orientiert man sich dort? Wozu dienen sie überhaupt?
RM: Die Knöpfe auf der linken Seite sind für die Begleitung zuständig, für Bässe und Akkorde. Man orientiert sich dort hauptsächlich über das Gefühl: die Knöpfe sind in einem festen System angeordnet und ein markierter Knopf dient als Orientierungspunkt. Durch Übung merkt sich die Hand die Positionen automatisch. So kann man spielen, ohne hinzusehen.
Braucht es nicht ungeheuer viel Kraft, um auf diesem Instrument laut spielen zu können? Ab welchem Alter ist es für Kinder geeignet?
RM: Das Akkordeon kann laut gespielt werden, aber man braucht nicht übermässig viel Kraft – die Lautstärke entsteht durch das Ziehen und Drücken der Bälge, nicht durch Fingerkraft. Kinder können oft ab etwa 6–7 Jahren anfangen, je nach Grösse und Kraft. Wichtig ist, dass das Instrument passend zur Handgrösse gewählt wird. Mit der Zeit entwickelt man durch Übung die notwendige Kraft und Technik.
Das Akkordeon hat den Ruf, ein typisches Volksmusikinstrument zu sein. Ich bin kein Fan von Volksmusik. Sollte ich trotzdem Akkordeon spielen?
RM: Das Akkordeon wird oft mit Volksmusik verbunden, ist aber ein sehr vielseitiges Instrument. Es wird auch in Klassik, Jazz, Pop, Filmmusik und zeitgenössischer Musik eingesetzt. Wer keine Volksmusik mag, kann trotzdem genau die Stilrichtungen spielen, die ihn interessieren. Entscheidend ist nicht das Instrument, sondern die Musik, die man darauf macht.
Stimmen von Schüler/innen
Warum hast du dich ausgerechnet für dieses Instrument entschieden?
Am Tag der offenen Tür der Musikschule Baden habe ich alle Instrumente ausprobiert und das Akkordeon hat mir am besten gefallen.
Ich weiss es nicht, wieso ich mich damals für das Akkordeon entschieden habe, aber nach so vielen Jahren habe ich das Instrument gut erlernt. Es klingt für mich wie ein kleines Orchester (Melodie in der rechten und Begleitung in der linken Hand), und falls ich mich wieder für ein Instrument entscheiden müsste, würde wieder das Akkordeon auswählen.
Bringst du immer dein eigenes Instrument mit zum Unterricht? Ist es nicht sehr schwer und unpraktisch?
Nein, meine Eltern oder Grosseltern begleiten mich in die Schule und bringen das Akkordeon. 😊
In der Schule gibt es ein Schulakkordeon, wobei wenn ich eigenes brauche, packe ich mein Akkordeon in die Tasche ein und nehme es mit. Es ist etwas schwerer als der Schulthek.
Spielst du auch manchmal mit anderen Schüler/innen zusammen, oder spielt man das Akkordeon immer allein?
Oft während der Stunde spiele ich zusammen mit meinem Lehrer ein Stück für Duo und dann kann ich es mit einem anderen Schüler machen, da er die andere Stimme mit dem Lehrer übt.
Meine Kollegin aus der Klasse spielt auch das Akkordeon und oft spielen wir zusammen, nicht nur während der Stunde, sondern auch ausserhalb der Schulzeit. Es gibt auch das Akkordeonorchester, wo wir alle zusammen üben und an einem oder mehreren Konzerten teilnehmen.
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