Die Musikschule aus Elternsicht
Eltern von Musikschülerinnen und -schülern berichten über ihre Erfahrungen
Eltern wollen selbstverständlich nur das Beste für ihre Kinder. Aber wie unterstützt man in Zeiten wie diesen sein Kind am besten? Was hat neben dem zunehmenden Leistungsdruck in der Schule, den prall gefüllten Stundenplänen und den Diskussionen rund um die tägliche Bildschirmzeit eigentlich noch Platz im Zeitbudget unserer Kinder und Jugendlichen?
Wir fragen Personen, die es wissen müssen: Die Eltern unserer Schüler/innen. Um die Anonymität zu wahren, nennen wir hier keine Namen.
Welches Instrument spielt Ihr Kind?
Fam. A: Sopran- und Tenorblockflöte
Fam. B: Unsere Kinder, zwei Buben, spielen Saxophon und Schlagzeug.
Wie ist es dazu gekommen, dass Ihr Kind ein Instrument erlernt? Haben Sie es vorgeschlagen, oder kam die Initiative dafür von Ihrem Kind?
Fam. A: Unsere Tochter durfte im 2. Kindergartenjahr in die Blockflötenstunde ihrer Freundin mitgehen und das Instrument sogar ausprobieren. Nach dieser Erfahrung war für unsere Tochter klar, dass sie das Instrument selber lernen möchte.
Fam. B: Die Initiative dazu haben beim älteren Kind wir Eltern gelegt. Wir sind schon früh mit beiden Kindern einmal pro Woche zum Kindersingen in der reformierten Kirche in Baden gegangen. Als unser älterer Sohn dann in den Kindergarten kam, haben wir ihn zu einer wöchentlichen Rhytmikgruppe an der MSRB angemeldet. Dort wurden verschiedene Instrumente vorgestellt, und er hat sich daraus gewünscht, den Blockflötenunterricht zu besuchen.
Irgendwann fand er die Blockflöte jedoch richtig doof und er wünschte sich Saxophon lernen zu dürfen. Wir Eltern waren ehrlich gesagt skeptisch, ob dies etwas werden würde. Während der Probelektion bei Mario Schenker – er durfte auf dem Schul-Saxophon von Mario spielen – war er überrascht, dass er schon so gut Töne aus diesem Instrument herausbringen konnte. Das war ganz klar etwas anderes als die feine Blockflöte.
Der jüngere hingegen wollte schon sehr früh Schlagzeug spielen. Nach einer Probelektion beim Schlagzeuglehrer kam jedoch die Empfehlung, zunächst mit Djembe zu beginnen, da er für das Schlagzeug noch zu klein sei. Er hat dann zwei Jahre lang, mehr oder weniger motiviert, den Djembe-Unterricht besucht, bevor er endlich genug gross war, um mit dem Schlagzeug zu beginnen.

War für Sie von Anfang an klar, welches Instrument es sein soll, oder haben Sie die verschiedenen Beratungsmöglichkeiten der Musikschule in Anspruch genommen?
Fam. A: Nach dieser sogenannten Schnupperstunde war es für unsere Tochter klar, dass sie mit Blockflöte starten möchte. Im Verlauf der Zeit zeigte sie immer wieder mal Interesse an anderen Instrumenten, so dass wir das Informationsvideo der Musikschulwebsite zusammen anschauten und auch schon mehrmals die Instrumentenwerkstatt besucht haben.
Fam. B: Beide unsere Kinder sind bei verschiedenen Lehrerpersonen an der MSRB schnuppern gegangen.
Wie kam es zum ersten Kontakt mit der Lehrperson Ihres Kindes?
Fam. A: Nach der Schnupperstunde hat die Lehrperson mit uns telefonisch Kontakt aufgenommen.
Fam. B: Wir haben über das Sekretariat der MSRB eine Schnupper-Lektion angefragt.
Seit wie vielen Jahren spielt Ihr Kind inzwischen ein Instrument?
Fam. A: Sie spielt nun seit 2.5 Jahren Blockflöte.
Fam. B: Der ältere Sohn seit 7,5 Jahren, der jüngere seit 4.5 Jahren.

Wie erleben Sie selbst als Eltern den Unterricht? Haben Sie Kontakt mit der Lehrperson? Besuchen Sie manchmal auch eine Lektion Ihres Kindes?
Fam. A: Wir haben regelmässigen Kontakt mit der Lehrperson, sei dies aus rein organisatorischen Gründen oder aber auch aufgrund von pädagogischen Fragestellungen oder Wünsche unsererseits. Sehr gerne besuchen wir auch immer wieder mal eine Lektion unserer Tochter. Wir merken, dass sie das sehr schätzt und auch stolz macht. Der persönliche Austausch mit der Lehrperson beim Besuch einer Lektion schätzen wir als Eltern ebenfalls sehr.
Fam. B: Wir gehen mehr oder weniger regelmässig alle paar Monate mit zum Unterricht. Die Lehrpersonen begrüssen dies sehr, und man kann sich so auch austauschen, wie es dem Kind beim Lernen und im Unterricht geht.

Üben zu Hause: Müssen Sie Ihr Kind häufig ans Üben erinnern, oder übt Ihr Kind aus eigenem Antrieb?
Fam. A: Wir versuchen unserer Tochter die Zeit und den Raum zur Verfügung zu stellen, um regelmässig üben zu können. Dadurch, dass die Flöte in unserem Wohnzimmer präsent und bereit zum Spielen ist, erinnert sie sich oft selber daran, dass sie üben könnte. Gemeinsames Üben, vor allem in der Weihnachtszeit, oder beim Üben für ein bevorstehendes Konzert, motiviert sie auch immer. Natürlich gibt es aber auch immer wieder Zeiten, in denen sie weniger übt und andere Tätigkeiten wichtiger findet.
Fam. B: Meistens sind es doch wir Eltern, die das Kind daran erinnern, das Instrument zu üben.
Wie wirkt sich das Musizieren auf Ihr Kind aus? Erleben Sie irgendwelche Veränderungen? Geht Ihr Kind gerne in den Unterricht?
Fam. A: Unsere Tochter geht sehr gerne in den Unterricht, vor allem auch weil sie ihre Lehrperson sehr gerne mag. Eine gute Beziehung zwischen Lehrperson und Kind ist sicherlich ein ganz wichtiger Punkt, dass die Kinder Freude am Erlernen eines Instruments haben, da die intrinsische Motivation in diesem Alter manchmal noch nicht bei allen gleich stark ausgeprägt ist.
Freude am Musizieren, Selbständigkeit und Selbstbewusstsein sind sicherlich Bereiche, die sich im Leben unserer Tochter durch den Flötenunterricht, bzw. die Lehrperson positiv verändern.
Fam. B: Der Grosse geht sehr gerne zum Unterricht – das ist nie ein «Müssen». Wenn er Saxophon spielt, merkt man, wie gut ihm das tut und wie viel Freude es ihm macht, diesem Instrument so schöne Töne zu entlocken. Natürlich ist er auch manchmal frustriert, wenn ihm beim Üben zum x-ten Mal derselbe Fehler in der gleichen Passage passiert. Aktuell erarbeitet er mit Mario Schenker auch Stücke, die er in der Band an der Oberstufe spielt.
Der Jüngere macht manchmal, wenn er nicht genug geübt hat, eine etwas klagende Bemerkung – nämlich, dass er das Stück im Unterricht nicht abschliessen kann und es für die kommende Woche nochmals als Hausaufgabe bekommt. Wenn er jedoch vor seinem Schlagzeug sitzt und so richtig musikalische Stimmung macht, gerne auch zu Musik, die er begleitet, geniesst er das sehr.
Die beiden haben auch schon zusammen völlig improvisiert Musik gemacht. Oder es kam ein Gspänli mit der Gitarre zu uns nach Hause, und es wurde ein Nachmittag lang gemeinsam musiziert.
Der Jüngere hat sich gerade mit anderen Kindern an seiner Schule zusammengetan, um als Band am Frühlingsfest ein paar Lieder zu spielen. Sein Schlagzeuglehrer konnte ihm gleich ein paar Tipps geben, wie er die Begleitung in der «neu» gegründeten Band zu «Nenas 99 Luftballons» gestalten kann.

Wie erleben Sie als Eltern die Musikschule als Institution? Fühlen Sie sich gut und ausreichend informiert?
Fam. A: Sehr viel Kontakt zur Institution Musikschule haben wir nicht, da der Kontakt mehrheitlich direkt über die Lehrperson stattfindet. Wenn wir jedoch Auskunft brauchten oder Fragen hatten, konnten wir dies unkompliziert über das Sekretariat machen.
Fam: B: Wir erhalten die meisten Informationen über die Lehrpersonen. Ausnahmen gibt es, wenn ein Lehrer ausfällt und der Unterricht bei einer Vertretung stattfindet. Wenn man eine Frage hat oder Informationen benötigt, wird man vom Sekretariat gut beraten.
Wie könnte sich Ihrer Meinung nach die Musikschule noch verbessern? Gibt es etwas, das Sie als Eltern vermissen?
Fam. A: Nein.
Fam. B: Wir nehmen die Musikschule vor allem über die Instrumentallehrpersonen unserer Kinder wahr. Eine regelmässige Qualitätssicherung – etwa durch Rückmeldungen von Schülerinnen, Schüler und Eltern zum Unterricht – würde wahrscheinlich dazu beitragen, die Musikschule als Institution noch klarer wahrzunehmen.
Was möchten Sie anderen Eltern mitgeben, die sich überlegen, Ihr Kind an der Musikschule anzumelden?
Fam. A: Falls ihr Kind Interesse und Motivation zeigt, ein Instrument zu erlernen, lohnt es sich eine Schnupperstunde bei der betreffenden Lehrperson abzumachen. Wenn dann die Beziehung zwischen Ihrem Kind und der Lehrperson auch noch stimmt, ist der Instrumentalunterricht eine sehr wertvolle Freizeitbeschäftigung, die viele Entwicklungsbereiche ihres Kindes positiv beeinflussen kann.
Fam. B: Gehen sie mit Ihrem Kind schnuppern – wenn nötig bei verschiedenen Lehrpersonen, auf unterschiedlichen Instrumenten oder auch mehr als einmal.