Interview erwachsene Schülerinnen & Schüler

Madeleine Scheiben (Foto), Schülerin von Jacqueline Mühry

Musikschule Region Baden | Blog

Liebe Frau Scheiben, würden Sie uns verraten, was Sie beruflich machen?

Madeleine Scheiben: Ich arbeite als Schulische Heilpädagogin und DaZ- Lehrperson in Untersiggenthal.

Welches Instrument spielen Sie?

MS: Am liebsten spiele ich Cello.

Wie sind Sie überhaupt zum Musizieren gekommen? Spielen Sie seit Ihrer Jugend?

MS: In meiner Kindheit und Jugend habe ich Klavier und Querflöte gelernt. Im Rahmen meiner Ausbildung zur Primarlehrerin hatte ich die Möglichkeit, ein weiteres Instrument zu erlernen. Weil mir der Klang der tiefen Streichinstrumente so gefiel, entschied ich mich fürs Cello. Während vieler Jahre als Klassenlehrerin hatte ich dann keine Zeit mehr für dieses Instrument, aber lernte dafür noch Gitarre spielen, um die Klasse im Singen zu begleiten.

Als ich meinen Mann kennenlernte, entschied ich mich auch noch fürs Euphonium, um gemeinsam mit ihm in einem Posaunenchor mitzuspielen. Schon damals nahm ich an der Musikschule Baden bei Herrn Litschig (Posaune) Unterricht.

Doch jedes Mal, wenn ich über ein Cello «stolperte», dachte ich daran, dass dies doch eigentlich mein Lieblingsinstrument wäre und ich es so gerne spielen würde. Da ich aber schon so viele verschiedene Instrumente spielte, begrub ich diesen Gedanken jeweils wieder.

Wann haben Sie begonnen, im Erwachsenenalter an der Musikschule Instrumentalunterricht zu belegen? Was hat Sie dazu bewogen?

MS: In der Coronazeit fasste ich eines Tages kurzerhand den Entschluss, ein Cello zu mieten. Ich fragte mich, ob ich noch wohlklingende Töne aus dem Instrument herausbrachte. Wusste ich noch, wie man das Instrument hält und wie man den Bogen über die Saiten streicht? Ich war gespannt…

Worin liegt nach Ihrer Erfahrung der Vorteil am Unterricht in der Musikschule, verglichen beispielsweise mit Selbststudium oder elektronischen Lehrgängen auf YouTube?

MS: Natürlich suchte ich auf YouTube passende Videos, gab allerdings schnell auf. Ich war unsicher, ob ich es wirklich richtig machte – man konnte ja nicht nachfragen – und ich wollte mir auch nichts Falsches angewöhnen. Also entschied ich mich für einen Unterricht an der Musikschule Baden.

Wie viel üben Sie? Wie lässt sich das mit Ihrer Berufstätigkeit vereinbaren?

MS: Da ich kein volles Pensum mehr habe, kann ich mir etwa 2 Stunden pro Woche Zeit fürs Cello spielen nehmen.

Würden Sie uns ein wenig teilhaben lassen an Ihren bisherigen Erfahrungen mit der Musik? Ihre schönsten Erlebnisse? Bleibende Erinnerungen im Zusammenhang mit der Musik? Herausforderungen beim Musizieren?

MS: Am liebsten musiziere ich mit anderen zusammen, zum Beispiel im Ensemble von Frau Mühry, oder mit meinem Euphonium im Posaunenchor. Gerne musizieren mein Mann und ich auch gemeinsam zuhause und singen in einem Chor.
Meine Lieblingsrichtung ist die Klassische Musik. Konzert- und Opernbesuche sind immer wieder ein Highlight. Musik hat einen grossen Stellenwert in meinem Leben und ich hoffe, dass ich noch viele Jahre bei Frau Mühry Cello lernen kann. Es macht mir grosse Freude, und jedes Mal, wenn ich nach der Cellostunde nach Hause gehe, weiss ich ganz genau, was ich ändern oder besser machen muss, damit ich einen Schritt weiterkomme.

Daniel Zehnder (Foto), Schüler von Matthias Merki

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Lieber Daniel, würdest du uns verraten, was du beruflich machst?

Daniel Zehner: Ich bin seit 40 Jahren selbständiger Architekt, habe mich spezialisiert auf den Umbau von anspruchsvollen historischen Gebäuden und Beratungen für den Bau von öffentlichen Gebäuden. Eigentlich wäre ich mit 69 schon pensioniert, aber was man gerne macht, ist ja gar keine Arbeit.

Welches Instrument oder welche Instrumente spielst du?

DZ: Alphorn, Euphonium, Flügelhorn und Trompete. Früher spielte ich Alto- und Baritonsax.

Wie bist du überhaupt zum Musizieren gekommen? Spielst du seit deiner Jugend?

DZ: Als Jugendlicher blieben mir Musikstunden trotz mehreren Bitten bei meinen Eltern verwehrt – das war ihnen zu teuer für uns vier Kinder. Ich hatte die Musikschüler immer benieden. So habe ich mir nach der Ausbildung die ersten Musikstunden geleistet.

Wann hast du begonnen, im Erwachsenenalter an der Musikschule Instrumentalunterricht zu belegen? Was hat dich dazu bewogen?

DZ: Nach dem Studium habe ich mit 26 bei Matthias Baumann Saxophonunterricht genommen, und spielte daraufhin etliche Jahre in einer kleinen Brassband süd- amerikanische Stücke, oft auch aufwändig kostümiert an der Fasnacht in Luzern.
Vor 10 Jahren begann ich mit dem Alphornspiel und habe dann vor 6 Jahren bei Matthias Merki mit dem Unterricht auf der Trompete begonnen. Über das Flügelhorn habe ich dann auf das Euphonium gewechselt, dessen Ton mir sehr gefällt.

Worin liegt nach deiner Erfahrung der Vorteil am Unterricht in der Musikschule, verglichen beispielsweise mit Selbststudium oder elektronischen Lehrgängen auf YouTube?

DZ: Der Musiklehrer kann wesentlich präziser auf mich eingehen, mich motivieren und fördern. Obwohl ich mir eine grosse Disziplin angeeignet habe, wäre ein Selbststudium deutlich weniger effektiv und etwas trostlos, so ganz allein zu spielen. Dazu markieren die Erwachsenenkonzerte immer Meilensteine.

Wie viel übst du? Wie lässt sich das mit deiner Berufstätigkeit vereinbaren?

DZ: Ich versuche mindestens alle zwei Tage zu üben, die Instrumente stehen alle schön glänzend neben mir in meinem Büro bereit. Ich habe zudem ein Alphorn stets im Auto dabei und spiele manchmal in Zwischenstunden an einem Waldrand oder in einem schön hallenden Tunnel.

Würdest du uns ein wenig teilhaben lassen an deinen bisherigen Erfahrungen mit der Musik? Deine schönsten Erlebnisse? Bleibende Erinnerungen im Zusammenhang mit der Musik? Herausforderungen beim Musizieren?

DZ: Musik kann enorm anstrengend sein – ich war mit einer engagierten Konzertorganistin verheiratet. Feiertage in der Kirche waren purer Stress. Ich bediente die Register der Orgel und war mit blättern beschäftigt. Kein Genuss.

Musik ist faszinierend – in Usbekistan nachts vor einer wunderschön beleuchteten Medresse Alphorn zu spielen ist unvergesslich schön und berührend. Die Musik fand grossen Anklang bei den Asiaten, Kinder sind mir fast ins Alphorn gekrochen.

Musik berührt – das Euphonium klingt in einem Kirchenraum wunderschön warm und oft ergreifend. Meine Enkelkinder lieben den Klang ganz besonders.

Musik ist witzig – oft spiele ich in Wengen an einem Sonntagmorgen Alphorn vor der Jungfrau ins Tal – und bekomme nach einer Weile Antwort tief aus dem Talgrund von Lauterbrunnen und hoch von der Alp Letzi über Wengen -wir haben uns aber noch nie gesehen.

Herausfordernd ist sicher, ein gewisses technisches Niveau zu halten und dranzubleiben. Hier bin ich zum Glück viel freier als Berufsmusiker, deren Niveau sehr hoch sein muss, um den Lebensunterhalt zu verdienen.