Manche Schülerinnen und Schüler unserer Musikschule legen im Musikunterricht auffälliges Talent an den Tag. Sie engagieren sich zudem mehr als der breite Durchschnitt, lernen auffallend schnell und sind bereit, mehr Zeit und Energie in die Musik zu investieren, als das die meisten ihrer Kolleg/innen tun. Kurzum: Sie fallen ihren Lehrpersonen positiv auf. Die Musikschule hat geeignete Gefässe, um solche Schüler/innen gezielt zu fördern.
Der Kanton Aargau bietet Begabtenförderung in Form von zusätzlicher Unterrichtszeit an. Um diese beantragen zu können, wird die erfolgreiche Ablegung der Prüfung zum mCheck 4 vorausgesetzt. Diese Hürde ist relativ hoch, viele Schüler/innen erreichen dieses Ziel erst in der Oberstufe. Wir sind der Meinung, dass das zu spät ist, insbesondere wenn jemand eine spätere Berufslaufbahn im musikalischen Bereich ins Auge fassen möchte. Um auffällig begabte Schüler/innen schon früher gezielt abholen und fördern zu können, wurde vor drei Jahren das Projekt «TonTalente» an der MSRB ins Leben gerufen. Unser Klavierlehrer Flurin Rüedlinger leitet dieses Projekt von Anfang an und berichtet über seine Erfahrungen.
Flurin Rüedlinger

Lieber Flurin, du hast vor über 3 Jahren das Projekt TonTalente an der MSRB ins Leben gerufen. Kannst du kurz schildern, wie es dazu gekommen ist und was dich dazu bewogen hat?
Den Ausschlag gaben zwei Dinge: Zum einen hatte ich eine besonders begabte Schülerin, die ich gerne vertieft fördern wollte. Zum anderen stand ich im Austausch mit anderen Musikschulen, die bereits Talentförderprogramme führten. Ein Instrument zu lernen heisst ja auch, viele Stunden allein im stillen Kämmerlein zu üben. Der Kontakt mit Gleichgesinnten, das Teilen derselben Leidenschaft, ist für mich aber ein wichtiger Teil der inneren Motivation. Daraus entstand die Idee zu TonTalente: junge Musiker:innen zusammenzubringen, die diese Begeisterung teilen.
Du hast Musik studiert, das heisst, du musst offensichtlich selbst in deiner Schulzeit auffällig talentiert gewesen sein. Gab es damals auch schon derartige Programme? Hast du vielleicht sogar selbst daran teilgenommen?
Ein eigentliches Talentförderprogramm gab es an meiner Musikschule im Dorf damals meines Wissens nicht. Da ich in der Nähe von Zürich aufgewachsen bin, wechselte ich aber schon relativ früh ans Konservatorium Zürich, wo es ein breiteres Kursangebot gab. Besonders gut erinnere ich mich an den Kinderkompositionskurs bei Andreas Nick: Gemeinsam mit anderen Kindern haben wir eine ganze Oper komponiert und aufgeführt – ein prägendes Erlebnis.
Wie äussert sich nach deiner Erfahrung auffälliges Talent im Unterricht? Was machen überdurchschnittlich begabte Schüler/innen anders als der breite Durchschnitt?
Eine allgemeingültige Aussage kann ich dazu nicht machen – jedes Kind ist anders, und auch jedes Talent zeigt sich auf seine eigene Weise. Was ich aber oft beobachte, ist eine besondere Neugier und Begeisterung, die über den Unterricht hinausgeht: Kinder, die von sich aus Neues ausprobieren, viele Fragen stellen oder eigene Melodien erfinden. Gleichzeitig gilt: Talent allein reicht nicht. Es braucht auch Fleiss, regelmässiges Üben und ein unterstützendes Umfeld.
Welche Kriterien muss eine Schülerin oder ein Schüler erfüllen, um in das Programm TonTalente der MSRB aufgenommen zu werden? Wie läuft das Aufnahmeprozedere?
Bei den Aufnahmekriterien orientieren wir uns an den Kompetenzprofilen von «Junge Talente Musik», dem Förderprogramm des Bundes für junge Musiktalente. Die Anmeldung erfolgt in der Regel auf Empfehlung der Instrumentallehrperson. Danach folgen ein Vorspiel und ein Gespräch. Ab der Aufbaustufe 1 wird zusätzlich eine externe Fachperson beigezogen. Interessierte Eltern können sich gerne an die Instrumentallehrperson ihres Kindes wenden.
Wie viele Schüler/innen nehmen im laufenden Schuljahr teil?
Im laufenden Schuljahr nehmen insgesamt zehn Schüler/innen teil: sechs in der Basisstufe und vier in der Aufbaustufe 1. Vier von ihnen spielen ein Streichinstrument, sechs Klavier. Das Programm steht allen Instrumenten offen, und wir würden uns freuen, wenn in Zukunft noch mehr unterschiedliche Instrumente vertreten wären.
Was macht man dort? Wie laufen die Kurse ab?
Etwa einmal im Monat treffen sich die Teilnehmenden an einem Samstag zu einem Kurstag. Der Unterricht findet in unterschiedlichen Kleingruppen statt. Ziel ist es, jedes Kind möglichst individuell zu fördern und zu fordern und gleichzeitig eine breite und fundierte Musikbildung zu ermöglichen. Neben Musiktheorie und Gehörbildung gehören dazu auch Komposition, Improvisation, Kammermusik und Musikgeschichte. Zum Abschluss jedes Semesters findet jeweils ein gemeinsames Konzert statt, an dem neben Kammermusik auch eigene Kompositionen und Gruppenimprovisationen zu hören sind.
Welchen Schüler/innen würdest du empfehlen, ein späteres Musikstudium ins Auge zu fassen? Wozu müssen sie bereit sein? Welche Voraussetzungen müssen sie nach deiner Meinung erfüllen? Was müssen sie an persönlichen Eigenschaften oder Überzeugungen mitbringen, um im Musikstudium erfolgreich sein zu können?
Die konkreten Voraussetzungen für ein Musikstudium legen die Musikhochschulen fest. Unsere Aufgabe sehe ich darin, jedes Kind auf seinem musikalischen Weg zu unterstützen, damit sich sein Talent entfalten kann. Und falls der Wunsch nach einem Musikstudium entsteht, soll diese Tür offenstehen – also die Möglichkeit bestehen, eine Aufnahmeprüfung erfolgreich abzulegen.