Unser Angebot (5) – Die Schlaginstrumente

Die Faszination für das Schlagzeug ist ungebrochen, nach wie vor zählt es zu den am häufigsten belegten Instrumenten in der Musikschule. Bei unseren Instrumentenwerkstätten ist aber nicht zu übersehen, dass manche Eltern ihre Kinder lieber für ein etwas leiseres Instrument begeistern würden, vielfach aber ohne Erfolg. Was fasziniert viele Schülerinnen und Schüler so sehr an diesem Instrument?

Lehrpersonen

Schlagzeug: Martin Fässler, Christoph Keller, Matthias Meier, Christoph Vogt

Djembé: Fabio Meier

Musikschule Region Baden | Blog

Matthias Meier unterrichtet Schlagzeug in Turgi.

Das Schlagzeug spielt keine Melodien, das Schlagzeug besteht aus vielen einzelnen Komponenten und benötigt daher relativ viel Platz, es ist schwierig zu transportieren, ganz einfach ausgedrückt: Das Schlagzeug ist ein unpraktisches Instrument! Warum ist es deiner Meinung nach trotzdem so beliebt bei den Schüler/innen?

Matthias Meier: Schlagzeuge faszinieren Menschen, weil es so direkt ist. Wenn man Trommeln und Becken anspielt, gibt das Schlagzeug sofort eine Rückmeldung. Das Instrument strahlt Freiheit aus und lässt somit viel Platz für die eigene Ausdrucksform. Das Schlagzeug ist einfach ein Juhee-Instrument.
Dass es so schwierig ist, zu transportieren hat auch seine Vorteile: man muss es nie in die Schlagzeuglektion mitnehmen.

Was fasziniert dich selbst so sehr am Schlagzeug, dass du beschlossen hast, es zu deinem Beruf zu machen?

MM: Die Musik ist meine Leidenschaft. Ich möchte diese Faszination weitergeben und andere Menschen daran teilhaben lassen. Da das Schlagzeug selbst als Instrument keinem vorbestimmten Muster folgt, wird es nie langweilig. Jedes Jahr werden neue Komponenten erfunden, welche man zum Schlagzeug hinzufügen kann. Und wenn man keine neue Effektbecken dazukaufen möchte, dann erfindet man einfach selber weitere Perkussionsinstrumente, welche man ans Schlagzeug hängt. Die Freiheit ist hier grenzenlos. Dieser Beruf bleibt spannend!

Was sagst du Eltern, die ein wenig Respekt haben vor dem Lärm, den das Instrument verursacht? Muss man ein freistehendes Einfamilienhaus besitzen, um Schlagzeug spielen zu können?

MM: Heutzutage gibt es elektronische Schlagzeuge, welche man mit Kopfhörer spielen kann. Diese E-Drums lassen sich gut mit Handys oder Laptops verbinden und nehmen nicht so viel Platz ein wie ein akustisches Schlagzeug.

Gibt es Schlagzeuger, die dich beeindrucken? Warum? Kannst du uns ein paar Videos empfehlen?

MM: Da gibt es eine ganze Menge. Ich versuche mal, eine vielseitige Auswahl zu machen:

– El Estebario Silberiano. Einer der angesagtesten Schlagzeuger zur Zeit. Seine Geschwindigkeit ist phänomenal. Er spielt mit einer Hand so schnell, wie andere mit zwei Händen: https://www.youtube.com/shorts/zFc_QaFxNgk
– Virgil Donati. Mit wenigen Schlägen und ein paar Tricks lässt er einen normalen 4/4-Takt klingen, als wäre es ein komplizierter 11/8-Takt. https://www.youtube.com/watch?v=yVnlnMGXOKs&list=RDyVnlnMGXOKs&start_radio=1
– Julio Barretto. Ein kubanischer Schlagzeuger. Wenn er spielt, klingt es so, als würde ein zweiter Perkussionist mitspielen. https://www.youtube.com/watch?v=FQWz0bdwJO8&list=RDFQWz0bdwJO8&start_radio=1
– Louis Cole. Er ist unglaublich kreativ, schnell und erfindet das Instrument quasi neu. https://www.youtube.com/watch?v=RuxzWqkyo0k&list=RDRuxzWqkyo0k&start_radio=1
– Gavin Harrison. Er spielt sehr musikalisch. Man kann schon fast sagen, er würde Melodien auf dem Schlagzeug spielen. https://www.youtube.com/watch?v=ENF9wth4kwM

Fabio Meier unterrichtet Djembé in Baden.

Dein Instrument ist bei weitem nicht so populär, wie das Schlagzeug. Kannst du es uns ein wenig näher vorstellen?

FM: Das Djembé kommt ursprünglich aus Westafrika. Westafrika ist sehr reich an Rohstoffen, wie zum Beispiel Gold. Weshalb es für die europäischen Kolonialmächte attraktiv war zu kolonisieren und viele europäische Staaten ihren heutigen Wohlstand auf der Ausbeutung des afrikanischen Kontinents aufbauten. Die Kolonialmächte unterteilten gewaltsam das einst vereinte Königreich Westafrikas in verschiedene Länder, ohne Rücksicht auf Kultur und Ethnien zu nehmen. So finden wir heute in Mali, Burkina Faso, Guinea, Senegal und der Elfenbeinküste dieselben Djembé Rhythmen. Da das Djembé in den 1980er Jahren an Popularität in Europa gewann, verdrängte es andere Handtrommeln und ist bis heute das bekannteste Instrument aus dem afrikanischen Kontinent. Das Djembé wurde ursprünglich in rituellen Kontexten genutzt, das heisst zum Beispiel bei Erntedank- oder Pubertäts-Festen und wurde primär von Bauern und Männern gespielt. Durch die Industrialisierung und teilweise Unabhängigkeitserklärung gewisser Westafrikanischer Staaten gewann das Djembé an Identitätsstiftender Bedeutung und wurde institutionalisiert. So entstanden erste “Ballet”, wo Djembé Rhythmen zu Arrangements umfunktioniert wurden und in Kombination mit Tanz, Gesang, Kora (Westafrikanische Stegharfe), Balafon (westafrikanisches Marimbaphon) und Schauspiel als Spektakel inszeniert wurde.
Das Djembé besteht aus einem geschnitzten Baumstamm, einem Ziegenfell, Metallringen und Schnüren und wird in Kombination mit Basstrommeln und Glocken gespielt. Es gibt drei Basstrommeln, das Kenkeni (hohe tonlage und klein), die Sangbang (mittlere Tonlage und mittel gross) und das Dundun (tiefe Tonlage und gross). Die Basstrommeln sind im Unterschied zur Djembé mit einem Kuhfell bespannt und werden mit Stöcken gespielt.
Djembé Rhythmen zeichnen sich oft durch ihre ausgeklügelte Polyrhythmik und Phrasierungen aus.

Wem empfiehlst du einen Einstieg auf dem Djembé?

FM: Den Einstieg auf dem Djembe kann ich jeder Altersgruppe empfehlen. Einerseits weil das Instrument nicht ganz so filigran aufgebaut ist wie zum Beispiel eine Geige und somit auch für kleine Kinder zugänglich ist. Andererseits ist die Arbeit am Instrument für Jugendliche und Erwachsene interessant, weil die komplexe Rhythmik in Verbindung mit der körperlichkeit des Spiels am Djembé ein gutes Training für unser Gehirn ist und eine wohltuende Abwechslung in unserem digital geprägten Alltag darstellt.