Es muss nicht immer ein Instrument sein

Katrin Janser auf der Bühne

In fremde Rollen schlüpfen, spontan auf Inputs von aussen reagieren, improvisieren, verschiedene Stimmungen zum Ausdruck bringen – all das geht nicht nur mit einem Musikinstrument, sondern natürlich auch im Schauspiel. Auch damit kann man an der Musikschule erste Erfahrungen sammeln.

Katrin Janser ist eine erfahrene Theaterpädagogin und bietet das Fach Theaterimprovisation und Rhythmik seit vielen Jahren an. Hier beschreibt sie kurz ihr Fach und worum es dabei geht.

Interview mit Katrin Janser, Kursleiterin Theaterimprovisation und Rhythmik

Katrin Janser, Theaterpädagogin und Kursleiterin Theaterimprovisation und Rhythmik an der Musikschule Region Baden

Liebe Käthi, sicher können sich einige unserer Leserinnen und Leser unter dem Titel deines Kurses nicht sehr viel vorstellen. Kannst du uns kurz schildern, was man in deinem Kurs macht und was man dort lernt?

Katrin Janser: In diesem Kurs entdecken die Kinder spielerisch die vielfältigen Möglichkeiten des Theaters. Im freien Rollenspiel lassen sie ihrer Fantasie freien Lauf, schlüpfen in unterschiedliche Rollen und entwickeln eigene Geschichten. Mit abwechslungsreichen Übungen schärfen sie ihre Sinne und ihre Wahrnehmung und lernen, Körper und Stimme bewusst einzusetzen, um Gefühle auszudrücken. Wir lernen unsere eigenen Instrumente (Körper, Stimme usw.) bewusst einzusetzen.

Rhythmus, Bewegung und Klang fördern das Körpergefühl, die Konzentration und das gemeinsame Zusammenspiel. Dabei werden Kreativität, soziale Kompetenzen und gegenseitiges Vertrauen gestärkt.

Im Mittelpunkt stehen die Freude am Spiel sowie die Entwicklung von Selbstvertrauen, Sicherheit und Präsenz – Fähigkeiten, die die Kinder auch im Alltag begleiten und stärken.

Was unterscheidet Theaterimprovisation vom normalen Theaterspielen?

KJ: Anders als beim klassischen Theaterspielen gibt es in der Theaterimprovisation keine vorgegebenen Texte oder festgelegten Rollen. Die Kinder entwickeln ihre eigenen Geschichten und Figuren, lassen ihrer Fantasie freien Lauf und lernen, spontan aufeinander einzugehen. Dabei stehen nicht das Ergebnis oder eine Aufführung im Mittelpunkt, sondern die Freude am gemeinsamen Spiel, das kreative Ausprobieren und die persönliche Entwicklung. Sobald die Kinder eine Idee entwickelt haben, welche ihnen gefällt, festigen wir diese und daraus entsteht dann ein Theaterstück.

Worauf bezieht sich der Begriff «Rhythmik» in der Bezeichnung deines Kurses?

KJ: Der Begriff «Rhythmik» bezieht sich auf das Zusammenspiel von Bewegung, Rhythmus, Musik und Körperwahrnehmung. Durch spielerische Übungen mit Tempo, Klang, Bewegung und Pausen entdecken die Kinder ihren eigenen Körper als Ausdrucksmittel. Sie entwickeln ein Gefühl für Rhythmus, stärken ihre Konzentration und lernen, sich aufeinander abzustimmen. Gleichzeitig entwickeln sie ein Gespür für Timing, Dynamik und gemeinsame Impulse – wichtige Grundlagen für ein lebendiges und kreatives Theaterspiel. Rhythmik verbindet die eigene Ausdrucksfähigkeit mit dem gemeinsamen Erleben.

Kannst du uns kurz schildern, wie du selbst zum Theaterspielen gekommen bist?

KJ: Ich stamme aus der Theaterfamilie Janser und stand bereits mit drei Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Mit elf Jahren hatte ich sogar schon mein erstes Auslandgastspiel. Das Theater wurde mir also gewissermassen in die Wiege gelegt, denn mein Vater arbeitete am Schauspielhaus Zürich und meine Mutter gründete das Kinder- und Jugendtheater Turgi. Als kleines Kind durfte ich sehr oft mit meinem Vater zur Arbeit, da es noch nicht so viele Krippen oder Tagesstrukturen gab. Es war von klein auf Teil meines Familienlebens und nicht einfach ein Hobby, das ich irgendwann entdeckt habe. Später habe ich diesen Weg weitergeführt und mich besonders dem Schauspiel sowie dem Kinder- und Jugendtheater, der Improvisation und der Theaterpädagogik gewidmet.

Katrin Janser auf der Bühne

Du bist ausgebildete Theaterpädagogin. Wie wird man das? Gibt es spezielle Studiengänge dafür?

KJ: In der Schweiz gibt es verschiedene Möglichkeiten, Theaterpädagogik zu studieren oder sich in diesem Bereich weiterzubilden. Das Angebot reicht von Hochschulstudiengängen über berufsbegleitende Weiterbildungen bis hin zu praxisorientierten Lehrgängen.

An der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) kann ein dreijähriges Bachelorstudium absolviert werden. Darüber hinaus bieten verschiedene Pädagogische Hochschulen (PH) Weiterbildungen an, beispielsweise in Form eines Certificate of Advanced Studies (CAS). Diese ermöglichen es, bestehende Kenntnisse und praktische Erfahrungen in der Theaterpädagogik gezielt zu vertiefen und weiterzuentwickeln.

Du bist neben der Musikschule auch noch in einigen anderen Theaterprojekten engagiert. Magst du uns kurz darüber berichten?

KJ: Sehr gerne. Seit dem Jahr 2000 bin ich im Leitungsteam des Kinder- und Jugendtheaters Turgi tätig. Daneben leite ich die Improvisationstheatergruppe «Die Impro-Leck-TuEllen», die regelmässig im WERKK in Baden auftritt.

An den Schulen in Baden unterrichte ich das Freifach Theater auf der Sekundarstufe und leite das Theateratelier auf der Primarstufe. Darüber hinaus realisiere ich eigene Theaterproduktionen und führe Regie in der freien Theaterszene.

Neben meiner praktischen Theaterarbeit engagiere ich mich in verschiedenen nationalen und internationalen Theaterorganisationen. Ich bin Vorstandsmitglied des Zentralverbands Schweizer Volkstheater (ZSV), der vom Bundesamt für Kultur (BAK) unterstützt wird, sowie des europäischen Jugendtheaternetzwerks EDERED (unter der Schirmherrschaft des Europarats in Strassburg) und des Europäischen Theaterhauses Lingen (Deutschland).

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der Aus- und Weiterbildung. Für die «Young Acting Academy» bilde ich angehende Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen aus und unterrichte einzelne Module an verschiedenen Universitäten. Ausserdem leite ich regelmässig Workshops im In- und Ausland, unter anderem im Rahmen von Schulprojektwochen, Weiterbildungen für Lehrpersonen, Firmenevents und Workshops für Theatergruppen.

Ergänzend bin ich als Moderatorin tätig und habe eine separate Ausbildung zur Sprecherin absolviert.

Vielen Dank!

Der Vorstand der MSRB

Marcel Rumo, Präsident der Musikschule Region Baden

Auch hinter den Kulissen wird an der Musikschule intensiv gearbeitet. Dazu gehört auch die Tätigkeit des Vorstandes. Er ist das oberste strategische Organ der Musikschule. Was sind seine Aufgaben?

Die Musikschule Region Baden ist als privatrechtlicher Verein mit öffentlichem Auftrag organisiert. Vereinsmitglieder sind die teilnehmenden Gemeinden Baden, Birmenstorf, Ennetbaden, Gebenstorf, Obersiggenthal und Untersiggenthal. Diese Gemeinden entsenden Delegierte zu den jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen. Dort hat jede Gemeinde eine Anzahl von Stimmen entsprechend der Anzahl an Schüler/innen, welche sie an die Musikschule entsendet. Vorstand und Schulleitung legen der Mitgliederversammlung Rechenschaft ab über ihre Tätigkeiten.

Gemäss Organisationsreglement besteht der Vorstand aus dem Präsidenten oder der Präsidentin und vier bis acht weiteren Mitgliedern. Sie werden von der Mitgliederversammlung gewählt und alle vier Jahre im Amt bestätigt, was dieses Jahr wieder der Fall sein wird. Die aktuellen Mitglieder des Vorstandes sind:

  • Marcel Rumo, Präsident
  • Nadine Garnitschnig, Vizepräsidentin
  • Krista Berz, Mitglied
  • Flavia Näf, Mitglied
  • Mirjam Obrist, Mitglied
  • Noëmi Löw-Tamm, Mitglied
  • Christine Vögele, Mitglied

Einsitz im Vorstand haben auch zwei Lehrpersonen als Interessenvertreter/innen der Lehrerschaft sowie die Schulleitung. Unter anderem fällt der Vorstand Entscheidungen über Grundsätze der Geschäftstätigkeit, beschliesst das Jahresbudget, wählt Lehrpersonen und Mitarbeitende in der Administration und genehmigt das Fächerangebot auf Antrag der Schulleitung. Der aktuelle Präsident Marcel Rumo erzählt, wie er die Arbeit in diesem Gremium erlebt.

Interview mit Marcel Rumo, Präsident der MSRB

Marcel Rumo, Präsident der Musikschule Region Baden

Lieber Marcel, kannst du uns kurz schildern, wie du überhaupt in Kontakt mit der MSRB gekommen bist?

Marcel Rumo: Mitte 30 habe ich versucht, als Wiedereinsteiger meinen Klavierunterricht als kleine Auszeit in meinen Arbeitsalltag zu integrieren. Was als gute Idee begonnen hat, ist dann hart auf meine berufliche Realität geprallt. Die Lektionen über Mittag waren schon nach kurzer Zeit nicht mehr entspannend und inspirierend. Sie waren vielmehr Pflicht. Die Zeit von der letzten Besprechung bis ans Klavier war zu kurz, um abzuschalten. Während des Unterrichts habe ich oftmals bereits an die nächste Besprechung gedacht.

So habe ich mich dann an meinem Wohnort nach einer Option umgesehen und kam als erstes auf die MSRB. In meiner privaten Umgebung den Unterricht zu besuchen, hat mir geholfen, in meinem Tempo kleine Fortschritte zu erzielen. Meine Klavierlehrerin hat mich zudem mit viel Geduld in meinem Lernen begleitet.

Wie kam es, dass du in den Vorstand der MSRB gewählt wurdest? Hast du dich um das Amt beworben?

MR: Ich lebe mit meiner Familie in Baden. So kam es, dass meine Tochter und etwas später auch mein Sohn während der Primarschule an der MSRB den Instrumentalunterricht besucht haben. Zu dieser Zeit hat der Vorstand einen Nachfolger gesucht, der im Ressort Finanzen unterstützen konnte. Meine damalige Klavierlehrerin hat zu diesem Zeitpunkt meine Tochter unterrichtet und hat sich an mich erinnert. So bekam ich eines Tages einen Anruf, ob ich mir ein Engagement für die MSRB vorstellen könnte. Ich habe mir das reiflich überlegt, den Vorstand kennengelernt und wurde schon bald darauf von den Gemeindevertretern in den Vorstand gewählt. Mich für eine Institution zu engagieren, in der talentierte Lehrpersonen mit viel Herzblut jungen Menschen ihre Begeisterung weitergeben, hat mich motiviert, einen persönlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der MSRB zu leisten.

Seit 2025 bist du nun Präsident unserer Musikschule. Was reizt dich an dieser Aufgabe? Wie kannst du deine Interessen und Fähigkeiten hier einbringen?

MR: Der Vorstand führt als Gremium die MSRB und ist Sparringpartner für die Schulleitung. Als Präsident bin ich der Dirigent und verstehe meine Hauptaufgabe darin, einen konstruktiven Dialog mit allen zu pflegen, vorausschauend zu planen und bei Bedarf Entscheide herbeizuführen, wo diese gefällt werden müssen. In meinem Berufsleben durfte ich schon viele Führungsrollen wahrnehmen und bringe diese Erfahrung ins Gremium ein. Im Speziellen reizt mich, mit ganz anderen Fragestellungen konfrontiert zu sein, als ich das aus meinem Arbeitsalltag gewohnt bin. Und trotzdem: Mich erstaunt immer wieder, wie viele Parallelen ich ziehen kann. Die Menschen, mit denen ich in der MSRB zusammenarbeiten darf, und der Musikschulbetrieb als Ganzes bereichern mich. So trägt die MSRB zu meiner persönlichen Entwicklung bei, auch wenn das derzeit nicht im musikalischen Sinne verstanden werden darf.

Was hast du dir für deine Tätigkeit als Präsident vorgenommen? Was möchtest du erreichen? Wohin sollte sich die MSRB unter deiner Präsidentschaft entwickeln?

MR: Die MSRB ist eine traditionsreiche Institution in Baden und in der Umgebung, die in diesem Jahr ihr 80-Jahr-Jubiläum feiert. Ich möchte dazu beitragen, dass noch viele Schülerinnen und Schüler mit Stolz und Freude erzählen können, dass der Musikunterricht an der MSRB einen Beitrag auf dem Weg zum Erwachsenwerden beigesteuert hat. Die Freude am Musizieren kann nur weitertragen, wer selbst die Chance zum Musizieren erhalten hat.

Die wohl grösste Herausforderung ist, das Musizieren bei jungen Menschen als wertvolles Gut erkennbar zu machen. Inzwischen gibt es viele Alternativen, die Freizeit zu gestalten. Die verfügbare Zeit vermehrt sich jedoch nicht. Ich möchte zusammen mit dem Vorstand und der Schulleitung dazu beitragen, dass die Qualität des Musikunterrichts stets auf einem hohen Niveau stattfinden kann, wir das Fächerangebot breit halten können und sichtbar bleiben.

Vielen Dank!

Multitasking

Musikschule Region Baden | Blog

Viele, um nicht zu sagen die meisten Musiklehrpersonen unterrichten nicht nur in der Musikschule, sondern verrichten daneben auch noch andere Tätigkeiten. Dies mitunter nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen und weil das Unterrichtspensum zu klein wäre, sondern weil sie es begrüssen, mehrere Standbeine zu haben, sich mit verschiedenen Rollen zu identifizieren und auch andere Interessen zu pflegen. Ein paar von ihnen sollen hier kurz vorgestellt werden.

Barbara Dehm

Musikschule Region Baden | Blog

Liebe Barbara, du unterrichtest in diversen Schulen Oboe, auch an der MSRB. Gleichzeitig bist du als Yogalehrerin sehr aktiv. Wie ist es gekommen, dass du in zwei so unterschiedlichen Bereichen tätig bist? Hast du das bewusst gesucht, oder hat es sich zufällig ergeben?

Nach den ersten Jahren im Berufsleben wurde mir bald klar, dass ich als Oboenlehrerin und freischaffende Musikerin nie ein volles Pensum haben würde, mit dem ich meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte. Deshalb schaute ich mich nach einer weiteren Ausbildung um. Da Yoga mich schon länger begleitete und interessierte, entschied ich mich für diese Ausbildung.

Kannst du uns die Tätigkeit als Yogalehrerin kurz beschreiben? Worum geht’s bei Yoga? Wem kann Yoga helfen? Wobei?

Im Yoga geht es um einen bewussten Umgang mit Atem, Bewegung und Körper. Es geht darum, mich selber, meinen Körper und meine Bewegungs- und Verhaltensmuster besser kennenzulernen und die Freiheit zu gewinnen, mich z.B. von Mustern zu lösen, die mir nicht gut tun. Gleichzeitig tue ich mir mit Yoga viel Gutes, ich erhalte meine Beweglichkeit und Gesundheit.

Deine Webseite heisst «Musik und Yoga.» Wie bringst du in deiner Tätigkeit diese beiden Bereiche miteinander in Verbindung?

Musik zu machen, speziell Oboe zu spielen, ist ein hoch komplexer und anspruchsvoller Prozess, bei dem Atem, Körper und Geist perfekt zusammen arbeiten müssen. Genau dieses Zusammenspiel übe ich auch im Yoga. Ein besseres Köperbewusstsein ist fürs Musizieren sehr hilfreich und kann mich auch vor Abnutzungserscheinungen bewahren. So denke ich, dass vieles, das ich im Yoga gelernt habe, ganz automatisch auch in meinen Oboenunterricht einfliesst.

Was sind die Vor- und Nachteile, wenn du in verschiedenen Berufsfeldern arbeitest? Empfindest du es als anstrengend oder im Gegenteil als willkommene Abwechslung?

Es ist beides: eine sehr willkommene Abwechslung und gegenseitige Ergänzung und Befruchtung und gleichzeitig auch anstrengend: neben drei bis vier verschiedenen Schulen habe ich auch noch zwei Arbeitsplätze, wo ich Yoga unterrichte. Ich muss für beide Berufe Administratives erledigen, planen, vorbereiten und mich weiterbilden.
Und trotzdem möchte ich diese Kombination nicht missen!!

Clara Zschocke

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Liebe Clara, neben deiner Tätigkeit als Geigenlehrerin an unserer Musikschule spielst du auch noch regelmässig im Orchester des Opernhauses Zürich und bist ausserdem kürzlich Mami geworden. Auch dein Tag hat nur 24 Stunden! Wie schaffst du es, dich zeitlich zu organisieren?

Manchmal ist das gar nicht so leicht. Abgesehen vom fixen Stundenplan für den Unterricht sieht jeder Tag anders aus. Auch bei meinem Mann, der vollzeit am Opernhaus spielt, ist der Dienstplan immer anders. Das Wichtigste ist dann, sich früh genug abzusprechen, wann ein Babysitter gebraucht wird. Der Shared Calendar hilft da sehr! Und wir haben wahnsinnig nette Freundinnen und Freunde, die auch mal einspringen, wenn doch mal Betreuung fehlt. Das Üben darf natürlich auch nicht zu kurz kommen, da gehts dann manchmal nach dem Stimmungsbarometer vom Baby. Gute Laune = gutes Üben 🙂 Wir schaffen uns jetzt aber auch eine Übekabine an, da stört man nachts nicht die Nachbarn!

Im Opernhaus zu spielen ist für viele klassische Musiker*innen sicher ein Traum! Kannst du uns diese Tätigkeit kurz beschreiben? Wie muss man sich den Alltag einer Orchestermusikerin vorstellen? Wie viel erlebst du von einer Opernaufführung, wenn du selbst im Orchestergraben sitzt?

Das ist schon eine sehr spannende und abwechslungsreiche Arbeit. In Zürich spielen sie immer mehrere Produktionen auf einmal, das heisst man spielt teilweise ganz unterschiedliche Sachen in einer Woche. Das muss natürlich alles geprobt werden. Proben finden vormittags und abends statt, die Vorstellungen natürlich vor allem abends. Nachmittags ist oft “frei”, wobei die meisten hier üben, unterrichten oder sich anderen spannenden Projekten widmen.
Wie viel man von der Bühne mitbekommt, kommt darauf an, wo man gerade im Graben sitzt. Die Bratschen sitzen doch auch manchmal mal am Rand, wenn man dann zwischendurch ein paar Takte Pause hat, kann man schon mal was mitbekommen, aber auch nicht wirklich viel 😉

Du hast dich ganz bewusst dafür entschieden, neben deiner Tätigkeit im Orchester auch noch unterrichten zu wollen. Was hat dich dazu bewogen? Lassen sich die beiden Tätigkeiten gut miteinander verbinden?

Genau, das war damals in Innsbruck, als ich dort im Orchester der Landestheaters tätig war. Während des Studiums und in der Zeit danach war ich sehr darauf fokussiert, Probespiele zu machen und in Orchestern zu arbeiten. Ich habe aber schon immer sehr gern mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, und als sich die Gelegenheit ergab, ein kleines Pensum an einer Musikschule in Innsbruck zu übernehmen, habe ich mich natürlich gefreut. Als wir dann beschlossen in die Schweiz zu kommen, gab ich mir einen Ruck und machte einen weiteren Master in Instrumentalpädagogik, um mehr in diese Richtung arbeiten zu können. Es ist mir eine grosse Freude, sowohl zu unterrichten als auch regelmässig im Opernhaus und anderen Orchestern zu spielen. Für mich passen diese Tätigkeiten wunderbar zusammen. Durch beide lerne ich vieles, was mir dann in der jeweils anderen hilft und Inspiration gibt.

Markus Roth 

Musikschule Region Baden | Blog

Foto von Tom Baumann

Lieber Markus, du unterrichtest nicht nur bei uns E-Gitarre, sondern leitest daneben auch eine andere Musikschule und arbeitest als Webdesigner und Bandmusiker. Habe ich etwas vergessen?

Tatsächlich ja (lacht). An der Primarschule, wo ich neben der MSRB unterrichte, bin ich auch noch Co-Musikschulleiter – die Leitung machen wir dort zu zweit. Dann bin ich dort für den IT-Support verantwortlich und betreue unsere Schulsoftware PUPIL, also ich zeige dem Kollegium, wie das Tool läuft, und helfe, wenn irgendwo etwas klemmt. Ach ja, und als Musiker stehe ich nicht nur auf der Bühne – ich komponiere auch eigene Sachen, ein paar davon sind auf Spotify. Und quasi als Ausgleich zu der ganzen Vielfalt bin ich noch mit einem kleinen Pensum als Reiki Therapeut unterwegs. Aber jetzt müsste die Liste komplett sein.

Viele Musiklehrpersonen unterrichten nicht nur, sondern führen daneben auch noch andere Tätigkeiten aus. Hast du das bewusst gesucht? Wenn ja, warum? Oder hat es sich einfach ergeben?

Ein bisschen von beidem, ehrlich gesagt. Das meiste hat sich über die Jahre einfach so ergeben. Ich habe mich immer für Technik interessiert, irgendwann war ich halt der IT-Support. Und aus der Freude am Gestalten wurde meine Webdesign-Agentur «cloud7 WebDesign» – die läuft jetzt seit über 20 Jahren nebenbei. Bewusst entschieden habe ich mich eigentlich nur dafür, das alles beizubehalten. Nur einer einzigen Aufgabe nachzugehen, das könnte ich nicht. Ich liebe es, verschiedene Projekte zu verfolgen und brauche die Herausforderung. Und es ergeben sich natürlich auch Synergien: Was ich im Webdesign im Umgang mit meinen Kunden über Kommunikation lerne, brauche ich auch im Unterricht oder im IT-Support und der Musikschulleitung. Und umgekehrt.

Empfindest du es als stressig, neben dem Unterricht auch noch anderen Tätigkeiten nachzugehen, oder ist eher das Gegenteil der Fall: Ausgleich, Abwechslung, Ergänzung?

Nein, klar das Gegenteil – die Abwechslung gibt mir Energie. Was hilft: Mein Tag hat einen ziemlich festen Ablauf. Ich stehe früh auf, trainiere als Erstes und arbeite am Morgen ein bis zwei Stunden an der Agentur, oder übe auf dem Instrument. Im Anschluss geht’s an die Schule – am Vormittag IT, am Nachmittag Gitarrenunterricht und am Abend dann oft noch Proben. So kommt sich nichts in die Quere. Stressig wird’s höchstens, wenn mehrere Gigs und Projekte aufs Mal kommen. Aber genau dieser Wechsel zwischen Bildschirm, Schulzimmer und Bühne macht, dass sich nichts davon je nach Routine anfühlt.

Begabtenförderung

Musikschule Region Baden | Blog

Manche Schülerinnen und Schüler unserer Musikschule legen im Musikunterricht auffälliges Talent an den Tag. Sie engagieren sich zudem mehr als der breite Durchschnitt, lernen auffallend schnell und sind bereit, mehr Zeit und Energie in die Musik zu investieren, als das die meisten ihrer Kolleg/innen tun. Kurzum: Sie fallen ihren Lehrpersonen positiv auf. Die Musikschule hat geeignete Gefässe, um solche Schüler/innen gezielt zu fördern.

Der Kanton Aargau bietet Begabtenförderung in Form von zusätzlicher Unterrichtszeit an. Um diese beantragen zu können, wird die erfolgreiche Ablegung der Prüfung zum mCheck 4 vorausgesetzt. Diese Hürde ist relativ hoch, viele Schüler/innen erreichen dieses Ziel erst in der Oberstufe. Wir sind der Meinung, dass das zu spät ist, insbesondere wenn jemand eine spätere Berufslaufbahn im musikalischen Bereich ins Auge fassen möchte. Um auffällig begabte Schüler/innen schon früher gezielt abholen und fördern zu können, wurde vor drei Jahren das Projekt «TonTalente» an der MSRB ins Leben gerufen. Unser Klavierlehrer Flurin Rüedlinger leitet dieses Projekt von Anfang an und berichtet über seine Erfahrungen.

Flurin Rüedlinger

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Lieber Flurin, du hast vor über 3 Jahren das Projekt TonTalente an der MSRB ins Leben gerufen. Kannst du kurz schildern, wie es dazu gekommen ist und was dich dazu bewogen hat?

Den Ausschlag gaben zwei Dinge: Zum einen hatte ich eine besonders begabte Schülerin, die ich gerne vertieft fördern wollte. Zum anderen stand ich im Austausch mit anderen Musikschulen, die bereits Talentförderprogramme führten. Ein Instrument zu lernen heisst ja auch, viele Stunden allein im stillen Kämmerlein zu üben. Der Kontakt mit Gleichgesinnten, das Teilen derselben Leidenschaft, ist für mich aber ein wichtiger Teil der inneren Motivation. Daraus entstand die Idee zu TonTalente: junge Musiker:innen zusammenzubringen, die diese Begeisterung teilen.

Du hast Musik studiert, das heisst, du musst offensichtlich selbst in deiner Schulzeit auffällig talentiert gewesen sein. Gab es damals auch schon derartige Programme? Hast du vielleicht sogar selbst daran teilgenommen?

Ein eigentliches Talentförderprogramm gab es an meiner Musikschule im Dorf damals meines Wissens nicht. Da ich in der Nähe von Zürich aufgewachsen bin, wechselte ich aber schon relativ früh ans Konservatorium Zürich, wo es ein breiteres Kursangebot gab. Besonders gut erinnere ich mich an den Kinderkompositionskurs bei Andreas Nick: Gemeinsam mit anderen Kindern haben wir eine ganze Oper komponiert und aufgeführt – ein prägendes Erlebnis.

Wie äussert sich nach deiner Erfahrung auffälliges Talent im Unterricht? Was machen überdurchschnittlich begabte Schüler/innen anders als der breite Durchschnitt?

Eine allgemeingültige Aussage kann ich dazu nicht machen – jedes Kind ist anders, und auch jedes Talent zeigt sich auf seine eigene Weise. Was ich aber oft beobachte, ist eine besondere Neugier und Begeisterung, die über den Unterricht hinausgeht: Kinder, die von sich aus Neues ausprobieren, viele Fragen stellen oder eigene Melodien erfinden. Gleichzeitig gilt: Talent allein reicht nicht. Es braucht auch Fleiss, regelmässiges Üben und ein unterstützendes Umfeld.

Welche Kriterien muss eine Schülerin oder ein Schüler erfüllen, um in das Programm TonTalente der MSRB aufgenommen zu werden? Wie läuft das Aufnahmeprozedere?

Bei den Aufnahmekriterien orientieren wir uns an den Kompetenzprofilen von «Junge Talente Musik», dem Förderprogramm des Bundes für junge Musiktalente. Die Anmeldung erfolgt in der Regel auf Empfehlung der Instrumentallehrperson. Danach folgen ein Vorspiel und ein Gespräch. Ab der Aufbaustufe 1 wird zusätzlich eine externe Fachperson beigezogen. Interessierte Eltern können sich gerne an die Instrumentallehrperson ihres Kindes wenden.

Wie viele Schüler/innen nehmen im laufenden Schuljahr teil?

Im laufenden Schuljahr nehmen insgesamt zehn Schüler/innen teil: sechs in der Basisstufe und vier in der Aufbaustufe 1. Vier von ihnen spielen ein Streichinstrument, sechs Klavier. Das Programm steht allen Instrumenten offen, und wir würden uns freuen, wenn in Zukunft noch mehr unterschiedliche Instrumente vertreten wären.

Was macht man dort? Wie laufen die Kurse ab?

Etwa einmal im Monat treffen sich die Teilnehmenden an einem Samstag zu einem Kurstag. Der Unterricht findet in unterschiedlichen Kleingruppen statt. Ziel ist es, jedes Kind möglichst individuell zu fördern und zu fordern und gleichzeitig eine breite und fundierte Musikbildung zu ermöglichen. Neben Musiktheorie und Gehörbildung gehören dazu auch Komposition, Improvisation, Kammermusik und Musikgeschichte. Zum Abschluss jedes Semesters findet jeweils ein gemeinsames Konzert statt, an dem neben Kammermusik auch eigene Kompositionen und Gruppenimprovisationen zu hören sind.

Welchen Schüler/innen würdest du empfehlen, ein späteres Musikstudium ins Auge zu fassen? Wozu müssen sie bereit sein? Welche Voraussetzungen müssen sie nach deiner Meinung erfüllen? Was müssen sie an persönlichen Eigenschaften oder Überzeugungen mitbringen, um im Musikstudium erfolgreich sein zu können?

Die konkreten Voraussetzungen für ein Musikstudium legen die Musikhochschulen fest. Unsere Aufgabe sehe ich darin, jedes Kind auf seinem musikalischen Weg zu unterstützen, damit sich sein Talent entfalten kann. Und falls der Wunsch nach einem Musikstudium entsteht, soll diese Tür offenstehen – also die Möglichkeit bestehen, eine Aufnahmeprüfung erfolgreich abzulegen.

Ganz Baden tönt.

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Am Samstag, 19. September 2026 bringen wir im Rahmen unseres Jubiläumsjahres die Stadt Baden zum Klingen! Kommen Sie vorbei und feiern Sie mit uns, es lohnt sich!

Das detaillierte Tagesprogramm finden Sie in untenstehendem Flyer:

Flyer downloaden

Jugendmusik Allegro Region Baden

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Langjährige Freundschaften

Die Jugendmusik Allegro Region Baden bringt Musikinteressierte zusammen und lässt Freundschaften entstehen.

Sie begleitet die Jugendlichen durch die turbulente Lebensphase von 12 bis etwa 20 Jahren.

Jugendmusik Allegro Region Baden

Wer sind wir?

  • Die Jugendmusik Allegro Region Baden ist ein unabhängiger und regional ausgerichteter Verein mit Sitz in Baden.
  • Die Jugendmusik Allegro Region Baden ist Mitglied im Schweizer Jugendmusikverband SJMV (jugendmusik.ch).

Unser Ziel:

  • Das Zusammenspiel von Jugendlichen mit Blas- und Schlaginstrumenten in einem Ensemble ermöglichen und fördern.
  • Ergänzendes Angebot zum Einzelunterricht an der Musikschule.
  • Vorbereitung der Jugendlichen auf den Übertritt in ein Erwachsenenorchester.

 Was bieten wir?

  • Wöchentliche Proben während der Schulzeit.
  • 10 Auftritte pro Jahr an verschiedenen Anlässen.
  • Förderung zusätzlicher Aktivitäten (Ausbildungslager, Projektorchester)
  • Qualifizierte musikalische Leiter garantieren hohe Qualität und musikalische Fortschritte.
  • Tolle Gemeinschaftserlebnisse bei Probe-Weekends, Ausflügen etc.

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Seit 1922 (Damals: “Knabenmusik Baden”)

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Nächster Auftritt

Wir feiern mit:

80 Jahre

Musikschule Region Baden

Gemeinsame Ständchen mit Schülern

der Musikschule Region Baden

Nächstes Projekt

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Projektanmeldung

Das ist deine Chance!

  • Du spielst ein Blasinstrument, Perkussion oder E-Bass / E-Gitarre / Klavier / weitere Instrumente nach Absprache…
  • Du bist zwischen 10 und 22 Jahre alt und hast mindestens 2 Jahre Instrumental-Erfahrung…
  • Du möchtest in einer grösseren Band mit Gleichgesinnten mitwirken…
  • Du bist bereit, dich selbständig oder mit deiner Lehrperson auf die gemeinsamen Proben vorzubereiten

Kosten

Projektbeitrag mit Probeweekend: CHF 100.00

Projektbeitrag ohne Probeweekend: CHF 50.00

Anmeldefrist: 28. Sept 2026

Anmeldung einsenden an: jmallegro.regionbaden@gmail.com oder hier direkt Online anmelden

Auftreten

Musikschule Region Baden | Blog

Auftreten vor Publikum – bei manchen Menschen verursacht nur schon der Gedanke daran ein leichtes Kribbeln in der Magengegend. Andere hingegen suchen geradezu das Rampenlicht, die Bühne, die Aufmerksamkeit ihrer Umgebung. Was macht das Auftreten mit uns?

Die weltbekannte Geigerin Anne Sophie Mutter sagt in einem 2023 erschienenen Dokumentarfilm, sie sei vor ihren Auftritten nie nervös. Andere Weltstars hingegen, wie zum Beispiel Adele oder auch Luciano Pavarotti, haben sich sehr offen über ihr Lampenfieber geäussert. Dennoch schafften sie es, Millionen von Zuhörer/innen mit ihrer Musik in ihren Bann zu ziehen. Viele Musiker/innen behaupten, es sei nicht entscheidend, ob man Lampenfieber hat oder nicht, sondern wie man damit umgeht. Fragen wir eine Expertin.

Claudia Heinisch unterrichtet Blockflöte an der Musikschule Region Baden und hat schon diverse grosse Auftritte als aktive Musikerin miterlebt.

Musikschule Region Baden | Claudia Heinisch

Liebe Claudia, was waren für dich bisher die grössten, spannendsten und aufregendsten Auftritte, die du als Musikerin miterleben durftest?

Es gibt immer wieder ganz geniale MusikerInnen, mit denen ich zusammenspielen darf, und so tolle Musik, das ist ein riesiges Geschenk!
Sehr eindrücklich war für mich, das erste Mal im KKL vor fast 2000 Zuhörern zu spielen, aber viel aufregender ist es, im kleinen Rahmen zu konzertieren, wenn man den Menschen ganz nah ist und sofort «fühlt», wie die Musik aufgenommen wird.
Zu den herausforderndsten Auftritten gehören aber sicherlich meine Diplomkonzerte und der internationale ERTA-Wettbewerb, dort stand die Prüfungssituation mehr im Vordergrund als das reine Konzertieren.

Warst du sehr nervös vor diesen Auftritten? Würdest du das Gefühl mit uns teilen? Wie äussert sich Lampenfieber bei dir?

Es läuft eigentlich immer ähnlich ab, man bereitet sich als Musikerin monatelang auf diese Auftritte vor und dann muss es in der Sekunde abrufbar sein, das kann doch recht angsteinflössend sein, die Musik läuft immer weiter, zwischendurch «kurz» nochmal darüber nachdenken, wie man etwas machen würde, ist nicht möglich, das macht aber natürlich auch den Reiz des Livespielens aus.
Ich freue mich auf die grossen(und kleinen) Konzerte eigentlich immer schon wochenlang und merke dann erst am Tag selber, dass ich auch aufgeregt bin. Direkt vor dem «Rausgehen» fangen meist meine Hände an zu zittern, die Luft reicht kaum und ich glaube immer, dass ich grad «dieses Mal» nicht spielen können werde… wenn ich dann die Blockflöte in der Hand habe, meine Mitmusiker fühle und den ersten Ton spiele, ist alles wie weggeblasen im wörtlichsten Sinne und ich kann das tun, was ich am allerliebsten mache – Musik!
Kleine Anekdote: bei einem Diplomkonzert habe ich die Tür des Saals aufgemacht, das Publikum fing an zu klatschen und ich habe die Tür einfach wieder zugemacht, weil ich mir sicher war, grad umzufallen. Irgendjemand hat mich dann aber doch kurz drauf einfach rausgeschoben. Alle haben gelacht und nach wenigen Takten war wieder alles gut und ich recht glücklich.

Hast du für dich persönlich Strategien entwickelt, wie du mit Lampenfieber umgehst?

Atmen. Üben. Einfach machen.
Eine gute Vorbereitung ist natürlich superwichtig, wenn ich die Stücke gut kenne und weiss, was auf mich wartet, was mir besonders Spass macht, wo wir gut gemeinsam schwingen können, dann trägt das schon sehr.
Wenn die Angst dann kommt- und bei mir sind das zum Glück jeweils nur ein ganz paar Minuten von «Garderobe» bis zum ersten Ton – versuche ich zu hüpfen gegen das Adrenalin, Treppen zu rennen, zu atmen und irgendwie meinen Körper zu fühlen, denn der ist es ja, der die unschönen Gefühle des «Vielleichtversagens» erst zum Ausdruck bringt. Mit Gedanken kann man sicher auch versuchen, dagegenzusteuern. Es helfen mir positive Sätze, die ich wiederhole, bis die letzte Zelle es kapiert hat. 😊

Wie erlebst du Lampenfieber bei deinen Schüler/innen? Ich meine, im Musikschulalltag zu beobachten, dass viele Kinder und Jugendliche in Auftrittssituationen über sich hinauswachsen, während erwachsene Personen auf der Bühne vielfach nicht ihr gesamtes Potenzial abrufen können. Kannst du diese Beobachtung bestätigen? Wenn ja, woran mag das liegen?

Ja, Kinder möchten häufig zeigen, was sie können – getreu dem Motto «Mama, guck mal!» und sind oft unvoreingenommen. Sie bewegen sich im Alltag ja auch immer lernend und wissen, dass viele Sachen gut klappen, manche vielleicht aber auch nicht, die Fehlerkultur ist einfach eine andere als bei Erwachsenen.
Letztere vergleichen sich nach meiner Erfahrung sehr schnell mit einem Ideal, welches sie im Kopf haben, gehört haben, mit Profimusikern, mit dem was sie eigentlich erreichen wollen, haben Klangideale. Und wenn die Ziele so hoch gesteckt sind, dass man sie sowieso nicht erreichen kann, kommt dann die Angst.
Wenn bei Kindern dann das Adrenalin in der Auftrittssituation dazukommt, werden sie einfach wahnsinnig schnell, können auf einmal alles abrufen, was sie in den letzten Stunden und Proben noch gelernt haben, ja genau, sie wachsen über sich hinaus.
Erwachsene blockieren da hingegen manchmal und kommen an Bewegungsabläufe nicht mehr so gut heran.

Besprichst du das Thema Lampenfieber vor einem Auftritt mit deinen Schüler/innen? Was empfiehlst du ihnen?

Wann immer es geht, versuche ich die Musik als gigantisch-geniales Mittel erlebbar zu machen, eine Möglichkeit, um gemeinsam zu sein, Gefühle auszudrücken, Spass zu haben und etwas zu können, was man immer wieder neu anders für sich selbst erleben darf. So wird der «Oje-ein-Auftritt-schaffe-ich-das??»-Gedanke im besten Fall gar nicht erst geboren. Wichtig scheint mir auch der Umgang mit Fehlern generell zu sein, darf das Kind ausprobieren, wird es ermutigt oder werden Fehler belächelt, das Kind abgewertet?
Bei etwas älteren Schüler/innen erlebe ich aber dann doch manchmal eine gewisse Ängstlichkeit vor unseren Konzerten, in der Pubertät ist Vieles peinlich, sie definieren sich über das was sie können, nicht das was sie «sind»…. dann spreche ich das an, wir formulieren zusammen, was genau die Angst auslöst und können dann ganz konkret Lösungen dafür suchen, das sind für den einen Spiele («baue absichtlich 4 Fehler ein», «du spielst und ich versuche zu stören, du musst immer weiter spielen»…ect.), für den anderen ein Gespräch (bei dem man vielleicht merkt, dass die Angst ganz woanders herkommt und sich nur über die Konzertsituation ausdrückt), der nächste muss im Körper ankommen, sich fühlen…Atemübungen, Entspannungstricks und gaaanz viel Spass gehören sowieso immer dazu. Manchmal reicht es auch schon, im Ensemble hinten stehen zu dürfen, mal eine andere Stimme zu versuchen oder an anderer Stelle im Programm zu spielen.
Mein wichtigster Ratschlag- und das üben wir in jeder Stunde, in jeder Probe und vielleicht hilft es auch im Leben neben der Musik: Spass haben wie verrückt, Üben wie verrückt und immer lernen, Fragen stellen, weitermachen. Und wenn man dann erstmal auf den Brettern steht, die die Welt bedeuten: Noten sind nur Anhaltspunkte, kompetent gucken und das Publikum als Freunde wahrnehmen. Es ist so schön, dass wir Musik machen dürfen!

Üben

Musikschule Region Baden | Blog

Üben – DAS Zauberwort schlechthin im Musikunterricht. Ohne Üben kommt man nicht vom Fleck, man macht keine erkennbaren Fortschritte. Aber was heisst eigentlich üben? Und wie gelingt es am besten?

Üben heisst wiederholen

Es ist nicht zielführend, ein neues Musikstück einmal durchzuspielen und dann zu meinen, man habe jetzt geübt. Das wäre vergeudete Zeit. Neue Bewegungsabläufe müssen sich zuerst einprägen. Viele Lehrpersonen vergleichen das Üben mit Laufen durch frischen Schnee. Wenn man einmal durchläuft, bleibt eine einzelne Spur ohne Bedeutung zurück. Wenn man mehrmals auf demselben Weg durchläuft, bildet sich ein Pfad, und man muss bei jedem weiteren Durchgang nicht mehr überlegen, welche Richtung man einschlagen muss. Daher gilt beim Üben: Einmal ist kein Mal.

Langsam üben

Neue, ungewohnte Bewegungsabläufe müssen vom Gehirn zuerst verarbeitet werden, bevor sie automatisiert werden können. Das funktioniert nicht, wenn man von Anfang an zu schnell spielt. Wer sich Zeit nimmt, spielt sauberer und vermeidet, dass sich Fehler ungewollt verfestigen.

Ein neues Stück in Abschnitte unterteilen

Es ist selten hilfreich, ein neues Stück von Anfang bis Ende durchzuspielen. Vielmehr hilft es, einzelne Takte oder Stellen herauszupicken, bei denen man regelmässig hängenbleibt und diese mehrmals im langsamen Tempo zu wiederholen, bis man sie flüssig spielen kann.

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Ziele setzen

Beim Üben gilt, wie in vielen anderen Belangen: Entscheidend ist nicht die Quantität, sondern die Qualität. Stundenlanges falsches Üben ist ebenfalls Zeitverschwendung! Wer sich vor dem Üben konkrete Ziele setzt, arbeitet konzentrierter und effizienter, zum Beispiel:
«Heute übe ich diese schwierige Passage so langsam, dass ich sie fünfmal fehlerlos spielen kann.» Oder: «Dieses Stück möchte ich bis nächste Woche auswendig spielen können.»

Kurze Pausen einlegen

Wenn ein schwieriger Abschnitt ohne Fehler gelungen ist, so hilft es, nicht gleich weiterzuspielen, sondern eine kurze Pause einzulegen, damit das Gehirn die neuen Abläufe verarbeiten und abspeichern kann. Einmal bewusst tief durchatmen kann schon genügen.

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Mental üben

In vielen Fällen ist es hilfreich, die Augen zu schliessen und sich Bewegungsabläufe nur geistig vorzustellen. Auch «trockenes» Üben, das heisst Üben ohne Instrument, kann helfen (Luftgitarre spielen oder Fingersätze für das Klavier auf dem Esstisch durchspielen).

Fehler analysieren

«Warum spiele ich diesen Ton immer falsch?» Es ist nützlich, sich Merkhilfen – zum Beispiel einen Fingersatz – in die Noten einzutragen oder eine schwierige Passage farbig zu kennzeichnen.

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Sich freuen auf das Ganze

Üben ist Arbeit, aber wer es richtig macht, wird am Ende durch Erfolg belohnt. Wer sich bei jeder Übeeinheit darauf freut, das Stück bald ganz durchspielen zu können, wird die Freude daran auch in schwierigen Phasen nicht verlieren.

Daher: Viel Spass beim Üben!

Musik und digitale Medien

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Musik und digitale Medien und wie Musik das Gehirn von Kindern stärkt

Das Smartphone – ein heisses und hoch kontroverses Thema, sowohl in der Politik als auch im Alltag mit Kindern und Jugendlichen. Nachdem der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln im Unterricht jahrelang als modern und fortschrittlich angesehen wurde, gehen inzwischen ganze Staaten dazu über, Handys ganz aus dem Schulbetrieb zu verbannen. Die Neurowissenschafterin Dr. Barbara Studer hat sich mit dem Thema befasst und auch die Rolle der Musik in diesem Zusammenhang wissenschaftlich beleuchtet.

Um es vorwegzunehmen: Es soll hier nicht eine totale digitale Abstinenz von Kindern und Jugendlichen propagiert werden. Dies wäre naiv, nicht zielführend und wohl auch realitätsfremd. Zu denken gibt einem allerdings das Ausmass, in dem sich Jugendliche in ihrer Freizeit mit elektronischen Medien beschäftigen. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) veröffentlicht alle zwei Jahre eine sogenannte JAMES – Studie (Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz). Die Ausgabe 2024 hat für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren eine durchschnittliche Internetnutzung von 3 Stunden und 7 Minuten pro Wochentag erhoben, am Wochenende liegt der Wert deutlich höher. Diese Daten beziehen sich wohlgemerkt nur auf die Freizeit der Jugendlichen. Internetnutzung für schulische Zwecke oder während der Arbeit sind hier nicht berücksichtigt.

Man stelle sich vor – wenn nur schon eine halbe Stunde täglich von dieser Zeit zum Musizieren verwendet würde! Es müsste niemand ganz auf Internet oder das Handy verzichten, man müsste sich nur die Zeit bewusst reservieren. Natürlich klingt das hier viel einfacher als es in der Praxis umzusetzen ist. Und vor allem: Es braucht sehr viel Disziplin, um es auch durchzuziehen. Aber offenbar wäre es nicht unmöglich! Die zeitlichen Ressourcen scheinen vorhanden zu sein.

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In ihren Untersuchungen beschäftigt sich Barbara Studer sowohl mit den Auswirkungen des Musizierens als auch der Nutzung von elektronischen Medien auf das jugendliche Gehirn und hat dabei erstaunliche Entdeckungen gemacht. Eine Kurzfassung ihrer Erkenntnisse ist hier zu finden:

Mehr Musik, weniger Smartphone: Wie Musik das Gehirn von Kindern stärkt
https://vimeo.com/1157359113/47e99334d4

Schauen Sie rein! Es lohnt sich!